Aktualisiert 07.02.2019 09:34

Ski-Präsident

Kasper windet sich nach seinen verbalen Einfädlern

Der FIS-Präsident behauptet, seine kontroversen Aussagen zum Klimawandel und zu Diktaturen seien aus dem Kontext gerissen worden.

von
ddu

Dass über ihn Schlagzeilen wie «Der Herr des Skisports fädelt wieder ein», «Auf zum Diktator!» oder «Wie Trump: Erderwärmung einfach mal anzweifeln» kursieren, passt Gian Franco Kasper gar nicht. Schon gar nicht während die Ski-WM in Are stattfindet. Der FIS-Präsident hatte in einem Interview, das am Montag auf Tagesanzeiger.ch veröffentlicht worden war, mit seinen Aussagen zu den Themen Klimawandel («es gibt keinen Beweis dafür») und Ausrichtungsorten von Sport-Grossanlässen wie Olympischen Spielen («in Diktaturen ist es für uns einfacher») für Empörung gesorgt.

«Ich bedaure, dass sie (seine Aussagen im Interview; Red.) unseren Athleten, die an den FIS-Weltmeisterschaften teilnehmen, die Aufmerksamkeit genommen haben», schreibt das Ehrenmitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) in einem auf der FIS-Homepage publizierten Statement. Er übernehme die volle Verantwortung für dieses Missverständnis, lässt Kasper alle wissen.

Ein Missverständnis? Der Engadiner scheint sich aus der Affäre ziehen zu wollen. In seinem Schreiben erwähnt er zweimal, dass in den Medien veröffentlichte Aussagen «offenbar aus dem Zusammenhang gerissen» worden seien. Jenes Zitat zu den Diktaturen «bezieht sich auf meine Besorgnis, neue Austragungsorte für zusätzliche Sportarten bauen zu müssen». Auch seine Kommentare zum Thema Klimawandel «sollten nicht wörtlich genommen werden». Da stellt sich jedoch die Frage, weshalb sich der 75-Jährige zuallererst dafür entschuldigt, wenn seine Aussagen in der «final story» aus dem Kontext gerissen worden sein sollen.

«Das ist komplettes Geschwafel»

Schweizweit und auch im benachbarten Ausland hatte das Interview mit Kasper viele Reaktionen ausgelöst. Der Schweizer Slalom-Spezialist Daniel Yule zeigte sich schockiert über die Aussagen des FIS-Präsidenten. Für den Walliser ist unverständlich, weshalb der 75-jährige Engadiner die Klimaerwärmung in Frage stellt. Yule verweist dabei auf den «starken Rückgang unserer Gletscher».

Inzwischen übte auch Aksel Svindal heftige Kritik an Kasper. «Manchmal sagen Leute etwas, das so dumm ist, dass es keinen Kommentar braucht», sagte der Norweger am Rande der Ski-WM in Are gegenüber SRF zu den Zitaten des FIS-Präsidenten bezüglich Sport-Events in diktatorischen Staaten. Der 36-Jährige, der zu den erfolgreichsten Skirennfahrern der Gegenwart zählt und innerhalb der FIS als Athletensprecher amtet, ergänzte: «Jeder mit etwas Taktgefühl auf diesem Planeten merkt, dass es komplettes Geschwafel ist.» Svindal sieht darin sogar Positives. «Denn wenn Leute ein solches Ausmass an Dummheit zeigen, muss niemand mehr etwas sagen.»

Aus Nationalrat Bastien Girods Sicht hat Kasper den Bogen überspannt. Der Zürcher, der für die Grünen politisiert, bezeichnete ihn als «absolute Fehlbesetzung» und forderte den umgehenden Rücktritt des FIS-Präsidenten. «Schliesslich bringt der Klimawandel grosse Risiken. Gerade der Skiverband sollte nicht blind in die Zukunft steuern», begründete der 38-jährige Umweltwissenschaftler. Auf Twitter wurde Kasper von verschiedenen Seiten nahegelegt, zurückzutreten.

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