Aktualisiert 11.06.2015 12:04

Angriff auf Sicherheitsfirma

Kaspersky entdeckt Virus im eigenen System

Ein aufwendiger Trojaner hat über Monate hinweg die Sicherheitsfirma Kaspersky ausgespäht.

von
dpa/cmr
CEO Eugene Kaspersky musste zugeben, dass sein eigenes System über Monate hinweg virenverseucht war.

CEO Eugene Kaspersky musste zugeben, dass sein eigenes System über Monate hinweg virenverseucht war.

Fast klingt die Nachricht zu absurd, um wahr zu sein. Ein Virus im Netz einer der bekanntesten Anti-Viren-Firmen? «Diese Software war extrem hochentwickelt und fast unsichtbar», sagte Gründer und Chef Eugene Kaspersky Medienberichten zufolge in einer Videokonferenz. Offenbar hat der Virus mehrere Monate lang die Aktivitäten der Firma zur Suche nach Schadsoftware ausgespäht.

«Ich bin ziemlich sicher, dass sie uns beobachtet haben», sagte Kaspersky. Kunden und Partner seien nach bisherigen Erkenntnissen aber nicht betroffen, hieß es.

Weiterentwicklung von Stuxnet-Virus

Bei dem Virus soll es sich um eine Weiterentwicklung der Schadsoftware Duqu handeln, die mit dem bekannten Computerwurm Stuxnet verwandt ist. Stuxnet wiederum war von den USA und Israel entwickelt worden, um das iranische Atomprogramm zu sabotieren. Deshalb besteht nun der Verdacht, auch Duqu 2.0 könne eine israelische Entwicklung sein.

Bei einer Sache ist sich Kaspersky dagegen sicher: Mehr als zehn Millionen Dollar wird die Malware gekostet haben – so speziell sei sie, sagte Kapersky. Offenbar hat sie bisher unbekannte Sicherheitslücken im Betriebssystem Windows ausgenutzt, um Software auf Windows-Rechnern per Fernzugriff einzurichten.

Es sei bei der Malware nahezu unmöglich, herauszubekommen, wenn sie einen Computer befalle, sagte Kaspersky. Sie verstecke sich im Arbeitsspeicher eines Computers und übermittele beziehungsweise hinterlasse kaum Daten auf der Festplatte.

«Wie ein Alien»

Kaspersky-Konkurrent Symantec berichtete, das Schadprogramm sei bei einem europäischen Telekom-Unternehmen, einem asiatischen Elektronik-Hersteller sowie auf Computern in den USA, Großbritannien, Schweden und Hongkong entdeckt worden.

«Sie ist wie Alien, Terminator und Predator zusammen», sagte der russische Virenjäger und verwies damit auf Hollywood-Filme. Dennoch sei es «ziemlich dumm» gewesen, eine IT-Sicherheitsfirma anzugreifen: «Früher oder später finden wir heraus, wer dahintersteckt.»

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.