Kassenpflicht für Penisimplantate
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Kassenpflicht für Penisimplantate

Die Krankenkassen müssen für Penisimplantate aufkommen, die umgewandelten Transsexuellen eine Erektion ermöglichen. Ohne den Eingriff ist eine Geschlechtsanpassung zum Mann laut dem Versicherungsgericht (EVG) nicht vollständig.

Der heute 31 Jahre alte und als Frau geborene Transsexuelle hatte sich 2001 zum Mann operieren lassen. Zwei Jahre später liess er sich die zur Erreichung einer Erektion notwendigen Implantate einsetzen. Diese bestehen unter anderem aus zwei künstlichen Schwellkörpern, die mittels einer Pumpe aufgebläht werden können.

Keine Kassenpflicht bei Erektionsstörungen

Seine Krankenkasse, die Sanitas, weigerte sich nach der Operation, die Kosten von knapp 30'000 Franken für den zweiten Eingriff zu übernehmen, wurde dann aber 2005 vom Genfer Sozialversicherungsgericht zur Zahlung verpflichtet. Das EVG hat die dagegen erhobene Beschwerde der Sanitas nun abgewiesen.

Die Krankenkasse hatte argumentiert, dass die fragliche Operation bei Männern mit Erektionsproblemen nicht kassenpflichtig sei. Das trifft laut den Luzerner Richtern zwar zu. Indessen sei dieser Fall nicht mit der Situation von einem Transsexuellen vergleichbar, der sich zu einem Mann habe umoperieren lassen.

Geschlechtsakt ermöglichen

Gemäss einem Grundsatzentscheid von 1995 müssten Krankenkassen vielmehr zusätzliche Aufwendungen übernehmen, um Betroffenen die charakteristischen Eigenschaften des angenommenen Geschlechts zu verschaffen. Bei einer Umwandlung Frau/Mann genüge dabei die blosse Rekonstruktion der männlichen Organe nicht.

Vielmehr gehöre hier zu den typischen Merkmalen auch eine Erektion. Ohne diese Möglichkeit, die erst den vollständigen Geschlechtsakt erlaube, scheine die Geschlechtsanpassung unvollständig. Diese gelte in besonderem Mass, wenn es sich wie hier um eine junge Person handle.

(K 46/05 vom 13. Februar 2006; keine BGE-Publikation) (sda)

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