Aktualisiert 03.11.2009 22:03

Dreiste VeruntreuungKassier kommt an die Kasse

Ein Winterthurer Architekt hat als Kassier der Waldweggenossenschaft Seen über 22 300 Franken für sich abgezweigt. Nun wurde der Rückfalltäter zu einer teilbedingten Geldstrafe von 12 600 Franken verurteilt. Die Hälfte soll er bezahlen.

von
Attila Szenogrady

Den unbestrittenen Rückfall des heute 54-jährigen Winterthurers bezeichnete auch das Zürcher Obergericht in seinem am Dienstag eröffneten Urteil als dreist. So hatte er als Kassier der Waldweggenossenschaft Seen zwischen November 2006 und Januar 2007 in sechs Schritten über 22 300 Franken heimlich für sich abgezweigt. Tatmotiv: Der verschuldete Architekt musste ausstehende Rechnungen seiner Einzelfirma begleichen. Erstaunlich war dabei: Der Angeklagte wurde bereits im Sommer 2000 wegen Veruntreuung von der Bezirksanwaltschaft Winterthur zu einer bedingten Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt. Die Geschädigten waren eine Sektion der SVP Winterthur sowie damals schon die Waldweggenossenschaft Seen.

Bedingte Strafe in Winterthur

Nachdem der Angeklagte im Frühjahr 2007 seine erneuten Verfehlungen zugegeben hatte, leitete die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland eine Strafuntersuchung gegen den zweifachen Familienvater ein. Trotz der Rückzahlung des gesamten Schadens, kam es zur Anklageerhebung. Die zuständige Staatsanwältin verlangte wegen mehrfacher Veruntreuung eine hohe, unbedingte Geldstrafe von 260 Tagessätzen zu 100 Franken. Damit sollte der Beschuldigte 26 000 Franken abliefern.

Am Bezirksgericht Winterthur hatte der Angeschuldigte im letzten Februar noch Glück. Trotz eines umfassenden Schuldspruchs kam er mit einer milden, bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 70 Franken sowie einer Busse von 1000 Franken davon. Die Staatsanwaltschaft legte danach Berufung ein und erneuerte ihre Anträge.

Freispruch verlangt

Im letzten Sommer erschien der Angeklagte vor dem Zürcher Obergericht und liess seinen Verteidiger im Hauptantrag sogar auf einen vollen Freispruch plädieren. Anwalt Jürg Bettoni machte eine Ersatzbereitschaft seines Mandanten zur Tatzeit geltend. So hätte der Beschuldigte mit einem Erbvorbezug bei seiner betagten Mutter den Schaden jederzeit wiedergutmachen können, behauptete Bettoni.

Was das Obergericht allerdings jetzt klar verneinte und den Winterthurer Schuldspruch wegen mehrfacher Veruntreuung bestätigte.

An die Kasse gebeten

Laut Obergericht wird nun der Ex-Kassier zudem an die Kasse gebeten. So verurteilte es den rückfälligen Angeschuldigten aufgrund einer höchst unsicheren Prognose neu zu einer teilbedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 70 Franken. Die Hälfte davon – also 6 300 Franken - soll der Angeschuldigte bezahlen. Zudem als erneut unterlegene Partei die Berufungskosten von weiteren 3000 Franken. Sowie die erstinstanzlichen Winterthurer Gerichtskosten von 2000 Franken. Dass die Oberrichter auf eine zusätzliche Busse von 1000 Franken verzichteten, scheint deshalb nur ein kleiner Trost zu sein.

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