Katalonien löst sich von Madrid
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Katalonien löst sich von Madrid

Die nordspanische Region Katalonien erhält eine grössere Autonomie gegenüber der Madrider Zentralregierung. Neu ist Katalonien indirekt eine Nation.

In einem Referendum stimmten die Katalanen am Sonntag mit 74 Prozent für eine entsprechende Vorlage, nur knapp 21 Prozent der Wähler waren dagegen, wie die katalanische Regierung nach Auszählung fast aller Stimmen bekannt gab. Die Beteiligung lag bei 49 Prozent. Vorgesehen ist unter anderem, dass das wohlhabende Katalonien einen deutlich grösseren Teil seines Steueraufkommens selbst behalten darf.

Die Region wird ausserdem indirekt als Nation bezeichnet und erhält beispielsweise die Kontrolle über den Bahnverkehr und die Erteilung von Arbeitsgenehmigungen für Einwanderer. Katalonien ist mit seinen sechs Millionen Einwohnern für 18,5 Prozent der spanischen Wirtschaftsleistung verantwortlich, erhält aber nur sieben bis neun Prozent an staatlichen Investitionen in die Infrastruktur. Innerhalb der nächsten sieben Jahre müssten sich diese beiden Zahlen annähern, heisst es in der zur Abstimmung vorgelegten Charta.

Der katalanische Regionalpräsident Pasqual Maragall würdigte den Ausgang des Referendums als historisch. «Das Volk Kataloniens hat eine Seite in unserer Geschichte geschrieben», erklärte er. «Wir sind der Herausforderung gerecht geworden, die wir uns selbst auferlegt haben.» Auch der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero, der die Vorlage ebenfalls unterstützt hat, begrüsste das Ja der Katalanen. Auch andere Regionen seien frei, dem Beispiel Kataloniens zu folgen.

Vor allem konservative Kritiker haben jedoch im Wahlkampf vor einem Zerfall des Landes gewarnt. Früheren Erhebungen zufolge lehnen 54 Prozent der Bevölkerung in ganz Spanien die Charta für Katalonien ab.

Die Abstimmung am Sonntag ist endgültig und bindend, bei einem «Ja» wird der Entwurf Gesetz. Stimmberechtigt waren rund 5,3 Millionen Menschen. (dapd)

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