Fake-Fans: Katar bezahlt ausländische Arbeiter fürs Jubeln
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Fake-FansKatar bezahlt ausländische Arbeiter fürs Jubeln

Um die leeren Plätze in den Arenen der «Qatar Stars League» zu besetzen, werden Wanderarbeiter angeheuert – ein eher fragwürdiges Geschäft.

von
dmo
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Um die die Stadien in der höchsten Fussballliga von Katar zu füllen, werden Wanderarbeiter bezahlt.

Um die die Stadien in der höchsten Fussballliga von Katar zu füllen, werden Wanderarbeiter bezahlt.

Keystone/AP/Hussein Malla
Diese Praxis wendet man auch bei anderen Sportarten an, wie zum Beispiel bei den internationalen Katar Open im Beachvolleyball im November 2014.

Diese Praxis wendet man auch bei anderen Sportarten an, wie zum Beispiel bei den internationalen Katar Open im Beachvolleyball im November 2014.

Keystone/AP/John Leicester
Wie viele Zuschauer sich an der WM 2022 in die Stadien verirren sollen, wird sich zeigen. Hier eine Animation der  Arena von  Al Bayt.

Wie viele Zuschauer sich an der WM 2022 in die Stadien verirren sollen, wird sich zeigen. Hier eine Animation der Arena von Al Bayt.

Keystone/AP

2022 findet die Fussball Weltmeisterschaft mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit in Katar statt. Ob die Stadien dann gefüllt sein werden, wird sich zeigen. Die Chancen stehen jedoch nicht schlecht. Die WM ist einfach ein Publikumsmagnet. Doch im Moment sieht die Angelegenheit in der «Qatar Stars League» noch anders aus.

Die höchste Spielklasse im Emirat am Persischen Golf kämpft mit einem Zuschauermangel in den Arenen. Dem wirkt man mit bezahlten Fans entgegen. Ausländische Arbeiter werden angeworben, um das jeweilige Team anzufeuern, Spass zu haben und ab und zu auch mal die Welle zu machen. Dies berichtet die Presseagentur AP. Von Zeit zu Zeit seien sie aufgefordert worden, sich wie die Katarer zu kleiden: In langen weissen Roben und mit der typischen Kopfbedeckung.

Doch warum all dies? Fest steht, dass die Einheimischen nicht allzu oft live bei den Partien dabei sind. Dies bestätigt eine Umfrage des Ministeriums für Entwicklung, Planung und Statistik, welche dieses Jahr erschienen ist. Darin sagen zwei Drittel der Befragten Katarer, dass sie vergangene Saison kein einziges Spiel besucht hätten. Weiter sind aber genau diese sogenannten «Fake-Fans» ein Hauptgrund dafür, dass die Einheimischen den Spielstätten fernbleiben. Ein perfekter Teufelskreis, der sich installiert hat.

Angenehmer Zweitjob mit bitterem Nachgeschmack

30 katarische Riyal, umgerechnet knappe acht Schweizer Franken erhält ein solcher temporärer Fan. Viel Geld für einen Wanderarbeiter. Und manche scheinen ihren Zweitjob auch zu geniessen. Gegenüber der Agentur meinte Adu, ein Arbeiter aus Ghana: «Meinen Körper zu bewegen ... in der Masse zu sein, mitzusingen und zu tanzen, schlicht dort zu sein und dafür bezahlt zu werden, ist ein Plus für mich.» Neben dem finanziellen Reiz kommt hinzu, dass einige Stadien mit gratis WiFi ausgestattet sind, was die Möglichkeit bietet, mit Verwandten in Kontakt zu bleiben und Neuigkeiten aus der Heimat zu erfahren.

Trotzdem bleibt ein bitterer Nachgeschmack: Es ist ein weiteres kontroverses Kapitel in der Geschichte betreffend die WM 2022 in Bezug auf ausländische Arbeiter. Anfang 2014 wurde bekannt, dass im vergangenen Jahr 185 Nepalesen gestorben waren, die mit dem Bau der Infrastruktur beschäftigt waren. Und über 1000 Tote sollen seit der Vergabe der WM an Katar zu beklagen sein.

«Ein moderner Sklavenstaat»

Zudem prangern etliche Menschenrechtsorganisationen die miserablen Umstände an, unter denen die Gastarbeiter ihren Dienst verrichten und verlangen eine umgehende Überholung der Gesetzgebung. Sharan Burrow, Generalsektretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes, sagte gegenüber «RT»: «Katar ist ein moderner Sklavenstaat.»

Doch es gibt einen Lichtblick am Horizont. Am Donnerstag auferlegte die Fifa dem Emirat ein Ultimatum zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Wenn dieses nicht erfüllt wird, könnte der Entzug der WM drohen.

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