Katar-Knast bei unehelichem Sex? Das sagt Gianni Infantino dazu

Publiziert

Kritik für WM-GastgeberlandKatar-Knast bei unehelichem Sex? Das sagt Fifa-Präsident Infantino dazu

Unehelicher Geschlechtsverkehr ist im WM-Gastgeberland Katar verboten – für Einheimische wie für Touristen. Es sollen bis zu sieben Jahre Gefängnis drohen. Fifa-Boss Gianni Infantino hat sich nun dazu geäussert.

von
Nils Hänggi

Gianni Infantino steht immer wieder in der Kritik. Zuletzt auch wegen einer Veranstaltung mit WM-Freiwilligen, wo er vergeblich versuchte, Stimmung zu machen.

Twitter

Darum gehts

  • Berichte über ein Sexverbot während der WM in Katar sorgen bei Fussballfans für rote Köpfe.

  • Nun äussert sich der Fifa-Boss Gianni Infantino dazu. 

  • Ein Katar-Verantwortlicher weist die Bedenken zurück.

  • Amnesty Schweiz wählt derweil harte Worte. 

Die Meldung sorgte in der letzten Woche für Wirbel: Fans könnten in Katar gemäss eines Medienberichts der «Daily Mail» bis zu sieben Jahre ins Gefängnis wandern, wenn sie unehelichen Sex haben. Der britischen Zeitung sagte ein Polizist, der anonym bleiben wollte: «Sex sollte nicht auf dem Plan stehen, es sei denn, man reist als Ehepaar nach Katar.

Bei diesem Turnier wird es definitiv keine One-Night-Stands geben, ausser man will im Gefängnis landen.» Entsprechend gross war die Aufregung bei Anhängerinnen und Anhängern rund um den Globus. Ganz anders bei Fifa-Boss Gianni Infantino, der sich die Laune dadurch nicht verderben lässt.

Auch Schweizer Fans werden die Nati in Katar anfeuern. 

Auch Schweizer Fans werden die Nati in Katar anfeuern. 

imago images/Insidefoto

«Menschen werden festgenommen, wenn sie etwas zerstören»

Angesprochen auf ein allfälliges Sexverbot, sagt der 52-jährige Walliser im Rahmen des «Qatar Economic Forum»: «Das wird nicht passieren. Menschen werden festgenommen, wenn sie hier etwas zerstören, wenn sie sich auf der Strasse zu prügeln beginnen, so wie ich es bei jeder anderen WM auch erwarte.» Die Fifa arbeite Hand in Hand mit den Behörden und der Polizei. Jede Person werde willkommen sein. Und: «Wenn Katar nicht jeden willkommen heissen würde, würde das Land die WM doch gar nicht ausrichten.»

Auf Anfrage von 20 Minuten lässt der Fussball-Weltverband ausrichten, dass die Fifa und auch die Vertreter des Gastgeberlandes alles für die Sicherheit und einen herzlichen Empfang aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer unternehmen werden. «Dazu gehört auch sicherzustellen, dass die mit der Fussball-Weltmeisterschaft verbundenen Strafverfolgungsmassnahmen unbedingt erforderlich und verhältnismässig sind», so die Fifa. Die Privatsphäre der Menschen werde respektiert.

Derweil holen katarische Journalisten der «Doha News» zum Rundumschlag gegen westliche Medien aus. Stinksauer schreiben sie beispielsweise: «Diese reisserischen Artikel handeln von Gesetzen, die schon lange im Land existieren. Jetzt wird so getan, als sei das eine neue Information für die Fans.» Auch zitiert die Zeitung Hassan Al-Thawadi, Generalsekretär des Supreme Committee for Delivery and Legacy (SC). Er meint: «Wir bitten die Menschen, unsere Kultur zu respektieren. Ich denke, das ist nicht zu viel verlangt.»

Schweizer Botschaft in Katar vermeidet klare Antwort

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) verwies auf Anfrage von 20 Minuten an die Behörden in Katar. Die Schweizer Botschaft in Doha äusserte sich wie folgt: «Das ist Sache von der Regierung.» Man könne weder bestätigen noch ausschliessen, dass den Fussball-Fans für unehelichen Sex drakonische Strafen drohen.

Beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) heisst es, dass man zuvor noch nie von dieser Sexverbot-Thematik gelesen habe. «Im Hinblick auf die WM werden wir zeitnah zum Turnier und unter genauer Kenntnis der Fakten- und Rechtslage sowie im Austausch mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) Informationen für die Fans kommunizieren.»

«Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht»

Bei Travelclub, dem offiziellen Reisebüro des SFV, gibt man zumindest leichte Entwarnung für die Schweizer Nati-Fans: «Wir haben die Information von vor Ort, dass nicht verheiratete Paare in den Hotels, Kreuzfahrtschiffen und Wohnungen übernachten dürfen, welche wir den Schweizer Fans anbieten», so Antonio Gambardella, Managing Director von Travelclub.

Amnesty Schweiz stellt gegenüber 20 Minuten klar: «Grundsätzlich lässt sich sagen, dass niemand für die Praktizierung von ausserehelichem Sex bestraft werden darf. Sexualität ist eine Privatsache, in die sich keine Regierung einmischen sollte. Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht, das auch an der WM in Katar gilt.» Weiter sagt die Menschenrechtsorganisation, dass sie keine aktuellen Zahlen zu den Verurteilungen wegen ausserehelichen Sex habe. Mediensprecherin Natalie Wenger bestätigt aber: «Meistens betreffen die Verurteilungen aber Frauen und LGBTI-Personen.»

Deine Meinung

129 Kommentare