WM 2022: «Katar-strophe» und «Es sollte um Fussball gehen, nicht um Politik»

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WM 2022«Katar-strophe» und «Es sollte um Fussball gehen, nicht um Politik»

Dass die Captainsbinden der «One Love»-Kampagne nun doch nicht getragen werden, spaltet die 20-Minuten-Community. Die einen sprechen von Scheinheiligkeit, die anderen wollen, dass Fussball und Politik getrennt werden.

von
Deborah Gonzalez
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Granit Xhaka könnte wegen seiner Captain-Binde eine Sperre drohen.

Granit Xhaka könnte wegen seiner Captain-Binde eine Sperre drohen.

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Mit der Aktion «One Love» will die Nati ein Zeichen gegen jegliche Art von Diskriminierung setzen.

Mit der Aktion «One Love» will die Nati ein Zeichen gegen jegliche Art von Diskriminierung setzen.

SFV
Englands Harry Kane wird am Montagnachmittag gegen den Iran (14 Uhr) als Erster mit der speziellen Captain-Binde auflaufen.

Englands Harry Kane wird am Montagnachmittag gegen den Iran (14 Uhr) als Erster mit der speziellen Captain-Binde auflaufen.

IMAGO/PA Images

Darum gehts

  • Granit Xhaka verzichtet an der WM in Katar darauf, mit einer farbigen Captainsbinde aufzulaufen.

  • Genauso werden es Länder wie Deutschland, England und die Niederlande handhaben.

  • Grund dafür sind angekündigte Fifa-Strafen, sollten die Verbände hinter der Aktion «One Love» das untersagte «Bändeli» trotzdem tragen.

Die Fifa hat sich durchgesetzt: Das Bild der Captains mit bunter «One Love»-Binde gehört nun der Vergangenheit an. Einige europäische Mannschaften, darunter auch die Schweiz, verzichten darauf, mit dem Regenbogen-Herz aufzulaufen. «Wir können unsere Spieler nicht in die Position bringen, in der sie sportliche Sanktionen inklusive Verwarnungen auf sich nehmen müssen», begründet SFV-Medienchef Adrian Arnold (49).

Auch die deutsche Nationalelf ist dem Ruf der Fifa gefolgt. Ganz zum Unmut der Deutschen: In der deutschen Zeitung “Bild” spricht man gar vom «Tag der Schande» und davon, dass der DFB und die Nationalelf vor den Augen der ganzen Welt «viel von ihrer Glaubwürdigkeit verspielt hat». 

Ähnlich ist die Meinung der 20-Minuten-Community. «Feige», «scheinheilig» und «verlogen» sind nur einige der Adjektive, die die Leser und Leserinnen für diesen Entscheid finden. Es gibt aber auch andere Meinungen. Der O-Ton der Befürworter: «Man sollte Fussball und Politik trennen.»

«Auf die Knochen blamiert»

«An Scheinheiligkeit nicht mehr zu überbieten! Wir verkaufen von Jahr zu Jahr mehr unsere Werte», meint etwa NoMan. Leser alfmir geht noch weiter und schreibt: «Einfach nur beschämend und mehr als blamabel für die nationalen Verbände.» Weiter fragt er: «Wie wäre es gewesen, zusammen zu stehen und die Fifa mit der Drohung einer unverzüglichen Abreise ebenfalls unter Druck zu setzen?» Er beantwortet seine Frage selbst: «Dann hätten sich Fifa und Katar bis auf die Knochen blamiert.»

Findest du, die Schweiz hat die richtige Entscheidung getroffen?

«Erbärmlich, wie rasch alle einknicken»

Tomcat6680 sieht ein grösseres Problem hinter der Entscheidung: «Zu seinen Werten zu stehen bedeutet, dies mit aller Konsequenz zu tun. Ansonsten verliert man seine Integrität! Es ist erbärmlich, wie rasch alle einknicken.» BladeRunner schreibt: «Katar-strophe!» 

Manche Leser und Leserinnen kommen mit Alternativen. So sagt rem: «Ich würde nun mit Trauerflor spielen. Das ist ja nichts Politisches, zeigt aber deutlich, dass die WM gestorben ist.» 15allesroger meint: «Gebt jedem Zuschauer so eine Binde. Lässt dann die Fifa keine Zuschauer mehr rein?»

Beobachter 57 hat eine klare Meinung: «Koffer packen und abreisen – das wäre die richtige Haltung gewesen. Aber Feiglinge beugen sich halt dem Geld und beim Fussball regiert das Geld. Wie wäre ein Namenswechsel – Geldball?»

«Es geht hier um Fussball»

Einige Leser und Leserinnen sind der Meinung, dass Politik nichts im Fussball zu suchen hat. So schreibt Paeduhaenni: «Ich verstehe das Thema um diese Binde einfach nicht, aber dass die WM so politisiert wird, haben sich Katar und die Fifa selbst zuzuschreiben.» Hibiskus7 ordnet etwas ein: «Man muss die Mentalität von Katar ja nicht gutheissen. Aber es sollte auch nicht provoziert werden.» Er fordert Neutralität: «Es geht ja schliesslich um Fussball.»

Cuwä und DerFragende sind sich einig: «Richtig so, Fussball bitte ohne Politik!» und «Ist ja auch Fussball und kein Polit-Statement.» Genauso sieht es fressefreiheit, der schreibt: «Diese Armbinden sind ein politisches Statement und haben im Sport nichts zu suchen. Sport muss politisch neutral bleiben, denn nur so verbindet er Völker!»

NYCSR sieht das anders: «One Love hat nichts mit Politik zu tun! Die Fifa zeigt mal wieder, dass sie ihre eigenen Regeln nicht respektiert und dass Vereine wegen Strafen einknicken, zeigt nur mal wieder, wie scheinheilig alles ist. Traurig!»

«Das war die richtige Entscheidung»

PeterAmeland hingegen findet, dass die Entscheidung nichts mit Intoleranz zu tun hat. Er teilt ebenso die Meinung, dass Fussballspiele «nicht für politische Statements genutzt werden dürfen». Argovicus schreibt: «Sport ist Sport. Politik und politische Aussagen gehören da nicht hin.» Und: «Natürlich sollen wir in Europa tolerant mit andersdenkenden Menschen umgehen. Das heisst, Personen mit fluiden Genderidentitätsproblemen begegnen wir mit Respekt. Den gleichen Respekt bieten wir auch den Menschen auf anderen Kontinenten, deren Länder wir besuchen.»

Oemu schliesst sich dem an: «Andere Länder, andere Sitten. So, wie wir es von unseren Gästen einfordern, sich unseren Bräuchen anzupassen, genauso müssen wir uns im Ausland verhalten.» Er findet: «Das war die richtige Entscheidung.»

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