Ölpest: «Katastrophe im Frühling ist doppelt so schlimm»
Aktualisiert

Ölpest«Katastrophe im Frühling ist doppelt so schlimm»

Meeresbiologe Nikolaus Gelpke über den verzweifelten Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko.

Herr Gelpke*, der Kampf gegen den wachsenden Ölteppich läuft auf Hochtouren.

Nikolaus Gelpke: Das ist ein Kampf gegen Windmühlen.

Was bedeutet das für das ­Küstengebiet des Mississippi-Deltas?

Das Sumpfgebiet besteht aus Mangroven und Schilfpflanzen und gilt als ökologisch besonders sensibel. Ausserdem leben dort im Vergleich zu europäischen Küstengebieten aussergewöhnlich viele Tierarten wie Schlangen, Krabben, Krebse, Alligatoren, Schildkröten, Delfine und Vögel. Hinzu kommt, dass derzeit die Fische laichen und die Vögel Eier legen. Dass die Katastrophe im Frühling passiert, macht sie doppelt so schlimm.

Wäre es nicht möglich, diese Tiere zu evakuieren?

Die Sumpfgebiete sind für die Menschen nahezu unzugänglich. Es ist kaum zu verhindern, dass hunderttausende Tiere der Katastrophe zum Opfer fallen werden. Das Öl verklebt den Magen und die Lungen der Tiere. Sie verhungern oder sterben an der Vergiftung. Aber auch Menschen, die an der Rettungsaktion beteiligt sind, könnten langfristig an Krebs erkranken.

Wann ist ein Ende der Katas­trophe absehbar?

Fast zwanzig Jahre nach der bisher grössten Ölkatastrophe, bei der mehr als eine Milliarde Liter Erdöl in den Persischen Golf flossen, haben sich die Küstenbiotope grösstenteils regeneriert. Grund dafür sind die Bakterien, die sich im Wasser be­finden und den Ölfilm abbauen. Je wärmer es ist, desto aktiver sind die Bakterien. So gesehen ist es ein Vorteil, dass im Mississippi-Delta relativ hohe Temperaturen herrschen.

Welche Massnahmen sollte die US-Regierung nach dieser Ka­tastrophe ergreifen?

Solange im Meer nach Öl gebohrt wird, wird es Umwelt­katastrophen geben. Es ist nun an der Zeit, dass die Staaten auf alternative Energiequellen setzen.

*Nikolaus Gelpke (47) ist Meeresbiologe und Chefredaktor der Zeitschrift «Mare».

BP will die Kosten übernehmen

Nach der Bohrinselka­tastrophe im Golf von Mexiko hat der Mineralölkonzern BP zugesagt, alle damit verbundenen Kosten zu übernehmen. «Wir werden das säubern», so das Unternehmen auf seiner Website. Es stelle sich der Verantwortung für den Untergang der Bohrplattform Deepwater Horizon und der verheerenden Folgen. Der Konzern erklärte sich auch dazu bereit, ­Ansprüche auf Schadenersatz zu zahlen, sofern diese «berechtigt und objektiv überprüfbar» seien. Schätzungen zufolge drohen dem Ölkonzern Kosten von bis zu 8 Milliarden Dollar.

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