Aktualisiert 06.07.2016 06:44

Obergericht ZürichKater quälte Kater – Ärztin verurteilt

Eine Katzenhalterin aus Küsnacht hat zugesehen, wie einer ihrer Kater einen anderen Kater wiederholt brutal attackierte. Die Ärztin wurde nun wegen fahrlässiger Tierquälerei verurteilt.

von
A. Szenogrady
Eine Katzenhalterin stand am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht.

Eine Katzenhalterin stand am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht.

Keystone/Walter Bieri

Tatort war eine Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung in Küsnacht. Beim Täter handelte es sich um den Kater Eowyn. Sein Opfer war Kater Kukeli. Die Anklageschrift schilderte, wie das Alphatier Kukeli immer wieder brutal angriff und durch die ganze Wohnung verfolgte.

Besonders schlimm war, dass der Angreifer das unterlegene Tier auch regelmässig vom Fressnapf wegjagte. Mit der Folge, dass Kukeli kaum mehr fressen konnte und sich unter ein Bett verkroch. Die zuständige Katzenhalterin bemerkte die Leiden des Kukeli zunächst nicht. Sie befand sich damals als Ärztin auch in einem grossen Arbeitsstress.

«Ausserordentlich schlechter Gesundheitszustand»

Als die Katzenhalterin Kukeli am 18. Januar 2014 in eine Kleintierpraxis brachte, stellte der Tierarzt «einen ausserordentlich schlechten Gesundheitszustand» fest und schrieb von einer hochgradigen Verwahrlosung. Neben einem stark verfilzten Fell litt Kukeli auch an einer massiven Zahnfleisch- und Rachenentzündung. Hinzu kam ein eitriger Nasenausfluss. Der Veterinär hielt Kukeli zurück, worauf die frühere Züchterin des erkrankten Tieres Anzeige gegen die Ärztin erstattete.

Die Medizinerin machte während der Untersuchung widersprüchliche Angaben. Bei den ersten Einvernahmen bei der Polizei gab sie zunächst zu, dass Kukeli vom Alphatier geplagt worden sei. Es sei immer schlimmer geworden, gab sie an. Bei der Staatsanwaltschaft führte sie dagegen aus, dass Kukeli geistig behindert sei und einen genetischen Defekt aufweise. Sie habe ihn jedenfalls nicht vernachlässigt. Die Fragen bei der Polizei seien tendenziös und suggestiv gewesen. Zudem zog sie die vom Tierarzt erstellten Fotos über Kukeli in Zweifel.

Schuldspruch vergebens angefochten

Schon das Bezirksgericht Meilen behaftete die Ärztin auf ihre ersten Angaben und verurteilte sie wegen fahrlässiger Tierquälerei zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu 150 Franken. Verbunden mit einer zu bezahlenden Busse von 1500 Franken.

Die Beschuldigte focht den Entscheid an und verlangte am Dienstag vor dem Zürcher Obergericht erneut eine umfassenden Freispruch. Die Katzenhalterin bezeichnete die Anklage als konstruierte Phantasie und brach wiederholt in Tränen aus. Ihr Verteidiger wies die Vorwürfe ebenfalls zurück und bezeichnete die ärztlichen Befunde als reine Vermutungen und ohne Beweiskraft. Womöglich habe der Veterinär Kukeli in der Praxis vernachlässigt.

Trotzdem sahen auch die Oberrichter eine fahrlässige Tierquälerei aufgrund der Beweise als erstellt an. Wieso sollte ein Tierarzt ein Tier absichtlich vernachlässigen und danach zu Unrecht die Besitzerin belasten, wollte der Gerichtsvorsitzende Christoph Spiess wissen.

Strafe massiv gesenkt

Im Gegensatz zum Bezirksgericht Meilen ging das Obergericht von einem leichten Verschulden aus und senkte die Strafe massiv. Aufgrund der aktuellen Arbeitslosigkeit der Psychiaterin setzte es nur eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 30 Franken fest und verzichtete auf eine zusätzliche Busse.

Spiess lobte die Beschuldigte als «ansonsten gute und seriöse Tierhalterin». Es würde auch keine aktive Tierquälerei vorliegen, erklärte er, und verwies auf die starken beruflichen Belastungen der Beschuldigten zur Tatzeit. Es sei einfach zu viel mit dem Kater geworden. Die erneut verurteilte Beschuldigte muss zwei Drittel der Berufungskosten von 3000 Franken tragen. Im Gegenzug wurde ihr aufgrund der deutlichen Strafsenkung eine reduzierte Prozessentschädigung von 1500 Franken zugesprochen.

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