Glauben: Katholiken sind friedlicher als Protestanten
Aktualisiert

GlaubenKatholiken sind friedlicher als Protestanten

Laut einer Studie sind junge Katholiken weniger gewaltbereit als ihre evangelischen Kollegen – selbst wenn sie nicht gläubig sind.

von
Désirée Pomper
Ministranten bei einer Messe. (key)

Ministranten bei einer Messe. (key)

Katholische Jugendliche, die in ihrem Glauben gut verankert sind, stehlen, beschädigen und prügeln weniger als evangelisch religiöse Jugendliche. Das zeigt eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsens. Und: Liegt der Anteil der gläubigen Katholiken in einer Region über zwölf Prozent, fällt die Gewaltrate der ganzen Region sehr niedrig aus. Für den Anteil religiöser Protestanten ergibt sich kein entsprechender Effekt. «Den katholischen Gemeinden gelingt es unter anderem besser als den evangelischen, die Risikogruppe der männlichen Nicht-Gymnasiasten zu erreichen», erklärt Institutsleiter Christian Pfeiffer.

Durch die Einbettung in ein soziales Netzwerk sei die Hürde für illegale Aktivitäten höher. Die Studienergebnisse sind laut Pfeiffer auch auf die Schweiz übertragbar. Der Luzerner CVP-Präsident Martin Schwegler pflichtet bei: «Das ausgeprägte Vereinsleben und die starke soziale Verantwortung wurzeln im katholischen Gedankengut.» Und: «In katholischen Gebieten wird auch intensiv gefeiert, etwa an der Fasnacht darf man auch mal ‹die Sau rauslassen›.» Man sei sich bewusst, dass der Mensch Fehler mache, die Beichte erleichtere ihn dann wieder. «Der strenge Arbeitsethos der Reformierten dagegen kann Menschen überfordern.»

Simon Weber, Sprecher des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, widerspricht entschieden. Die Studienresultate könnten nicht auf die Schweiz übertragen werden, da die konfessionelle Durchmischung hier viel stärker sei. «Katholische wie reformierte Kirche betreiben eine effiziente lokal ausgerichtete Jugendarbeit», so Weber.

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