Staatsanwalt ermittelt: Katholiken verklagen «Titanic»
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Staatsanwalt ermitteltKatholiken verklagen «Titanic»

Die «Titanic» hat es wieder einmal geschafft, bei Katholiken für offene Münder zu sorgen: Das deutsche Satire-Magazin wurde wegen seines Titelbildes angezeigt, auf dem ein Priester Jesus oral befriedigt.

von
phi

«Kirche heute», prangt über der April-Ausgabe der deutschen «Titanic»: Auf der dazugehörigen Karikatur ist ein Priester von hinten zu sehen, der scheinbar den am Kreuz hängenden Jesus oral befriedigt. Die Anspielung auf Sex-Skandale in der Jugendarbeit der katholische Kirche sorgte bei deren Mitgliedern für rote Ohren und offene Münder: Sogar die Staatsanwaltschaft muss sich nun mit dem Fall beschäftigen.

Zum einen waren beim Presserat alleine bis zum 2. April über 100 Beschwerden eingegangen, bestätigte eine Sprecherin gegenüber der Webseite «DWDL». Die Kontrollinstitution der deutschen Medienlandschaft hatte zuletzt 2006 bei den «Mohammed-Karikaturen» der Axel-Springer-Zeitung «Die Welt» ähnlich viele Zuschriften bekommen. Neben dem Presserat muss sich die Staatsanwaltschaft Frankfurt der «Titanic» annehmen: Dort wurden zwei Anzeigen gegen das Magazin erstattet. Der Vorwurf: Volksverhetzung.

Titanic-Chef ebenfalls «schockiert»

Ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, will Staatsanwalt Jörg Claude kommende Woche entscheiden: Die Chancen dafür stünden aber gering, so der Jurist gegenüber «DWDL». Der Presserat wird sich im Mai mit der Sache beschäftigen. Es ist nicht der erste Prozess der katholischen Kirche gegen die Frankfurter Spassmacher: Andere Titel waren beispielsweise wegen Beleidigung des Papstes beanstandet worden (siehe obige Bildstrecke und Artikel).

Titanic-Chef Leo Fischer spielte auf Nachfrage von «Meedia» das religiöse Unschuldslamm: «Wir sind schockiert über die zum Teil anstössigen und jugendgefährdenden Phantasien, die dieser Titel in manchen Hirnen auslöst. Wir von Titanic sehen hier einen Priester, der sich hingebungsvoll einem Kruzifix zuwendet - vielleicht in demütiger Anbetung.» Er sei überrascht, so viele katholische Leser zu haben, führt der Chefredaktor weiter aus. «Wir werden in christlicher Gelassenheit abwarten, bis das Publikum sich wieder beruhigt.»

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