Katz- und Maus-Spiel zwischen Polizei und Gaswerkbesetzern
Aktualisiert

Katz- und Maus-Spiel zwischen Polizei und Gaswerkbesetzern

Zwischen den Besetzern des Berner Gaswerkareals und der Stadt ist ein Katz- und Maus-Spiel im Gang: Die Jugendlichen sind am Mittwoch wie angekündigt abgezogen, um sich 200 Meter weiter niederzulassen.

Am Dienstag hatte die Stadtpolizei den Jugendlichen des «Vereins Alternative» ein Ultimatum bis Mittwoch 24.00 Uhr gestellt, um vom bisherigen Standorte auf dem Gaswerkareal abzuziehen - auf Grund eines Räumungsauftrags des Besitzers, der Stadtbauten Bern.

Tatsächlich räumten die Jugendlichen in der Nacht auf Donnerstag das Feld - und bauten ihre Wagenburg knapp 200 Meter entfernt wieder auf. Der besetzte Platz neben dem Jugendzentrum Gaskessel gehört dem stadteigenen Unternehmen Energie Wasser Bern (ewb).

«Räumungsauftrag hinfällig»

Wegen der neuen Besitzverhältnisse sei der Räumungsauftrag an die Polizei hinfällig geworden, sagte auf Anfrage Stadtpolizeisprecher Franz Märki. Die Polizei warte deshalb allfällige Direktiven der zuständigen Stellen ab.

Ob die Besetzer am neuen Standort bleiben dürfen, scheint eher unwahrscheinlich: Das Unternehmen nehme «die gleiche Haltung ein wie der Gemeinderat und die Stadtbauten Bern», sagte ewb-Sprecherin Michaela Eicher auf Anfrage. Allerdings habe man der Polizei noch keinen Räumungsauftrag erteilt.

Bevor weitere Schritte unternommen würden, werde man sich mit Stadtpräsident Alexander Tschäppät und den Stadtbauten Bern absprechen.

Tschäppät wollte am Donnerstag zum Thema keine Stellung nehmen. Die Angelehenheit befinde sich zur Zeit in der Zuständigkeit des ewb, war auf Anfrage bei der Stadt zu erfahren.

«Keine Alternative zu Besetzung»

Bei den jugendlichen Besetzern bedauert man die Entwicklung der Dinge: «Wir hätten lieber mit der Stadt einen neuen Standort ausgehandelt», sagte Jared Keusen vom «Verein Alternative» auf Anfrage. Auf Grund des polizelichen Ultimatums sei dem Verein aber keine Alternative zu einer neuerlichen Besetzung geblieben.

Der Verein fordere von der Stadt, mindestens bis Mitte Januar am neuen Standort auf dem Gaswerkareal bleiben zu können, bis im Stadtrat die hängigen Vorstösse zum Thema behandelt würden.

Hängige Vorstösse

Stadtrat Daniele Jenni von der Grünen Partei Bern hatte am 24. November einen Vorstoss zu Gunsten der Besetzer eingereicht, die vom Stadtrat für dringlich erkärt wurde. Jenni fordert, dass die Jugendlichen auf dem Gaswerkareal überwintern können und dass der Gemeinderat nach Möglichkeiten für alternative Wohnformen sucht.

Eine dringliche Interpellation der Fraktion GB/JA! fordert vom Gemeinderat eine höhere Dialogbereitschaft gegenüber den Besetzern. Die Stadtregierung hatte an ihrer Sitzung vom 23. November beschlossen, die Jugendlichen auf dem Gaswerkareal nicht zu dulden. Im Vorfeld hatte die Stadt den Jugendlichen einen Standplatz in Riedbach angeboten, was die Jugendlichen ausschlugen.

(sda)

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