02.12.2018 22:40

Übeltäterin in SchreibstubeKatze pinkelt in Buch und wird von Mönch verflucht

Er hätte sie verjagen können, doch stattdessen verewigte der Mönch den Vorfall in genau dem Buch, in das die Katze sich zuvor erleichtert hatte.

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fee
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Eine Katze im Haus zu haben, ist etwas Schönes. Es sei denn, ...

Eine Katze im Haus zu haben, ist etwas Schönes. Es sei denn, ...

iStock/Chendongshan
... man ist ein Mönch im Mittelalter und gerade dabei, per Hand ein Buch zu schreiben. Dann kann das Ganze ziemlich ärgerlich werden. Davon zeugt ein Foto, ...

... man ist ein Mönch im Mittelalter und gerade dabei, per Hand ein Buch zu schreiben. Dann kann das Ganze ziemlich ärgerlich werden. Davon zeugt ein Foto, ...

Wikimedia Commons/PD
... das zurzeit viralgeht. Es zeigt eine Buchseite aus dem Jahr 1420, die von einem ärgerlichen Mönch aus dem niederländischen Städtchen Deventer verfasst wurde. Ärgerlich deshalb, weil sich zuvor eine Katze auf der Seite erleichtert hatte.

... das zurzeit viralgeht. Es zeigt eine Buchseite aus dem Jahr 1420, die von einem ärgerlichen Mönch aus dem niederländischen Städtchen Deventer verfasst wurde. Ärgerlich deshalb, weil sich zuvor eine Katze auf der Seite erleichtert hatte.

Twitter.com/Ticia Verveer

Wer muss, der muss. Das gilt auch und besonders im Tierreich, und das offenbar schon immer. Davon zeugt unter anderem eine historische Buchseite, die die niederländische Archäologin Ticia Verveer unlängst auf Twitter teilte (siehe Bildstrecke).

Besagte Seite stammt aus dem Jahr 1420 und wurde von einem äusserst verärgerten Mönch aus dem niederländischen Städtchen Deventer verfasst.

Der Grund: Eine Katze hatte sich nächtens auf jenem Buch erleichtert, an dem er wohl schon seit Wochen hochkonzentriert gearbeitet hatte (siehe Box).

Zeichnungen auf Urinfleck

Doch statt die Übeltäterin am nächsten Tag mit einem Knüppel aus dem Haus zu jagen, machte der Mönch seinem Ärger anders Luft, wie die von Verveer geteilte und tausendfach gelikte Buchseite zeigt.

Nachdem er es nicht geschafft hatte, den Urinfleck vollständig zu beseitigen, versuchte er diesen zumindest zu überdecken – mit einer Zeichnung der Katze und zwei Händen, deren Zeigefinger auf die nächtliche Erleichterung deuten.

Schimpftirade auf Latein

Dazu kommentierte er auf Latein: «Hic non defectus est, sed cattus minxit desuper nocte quadam. Confundatur pessimus cattus qui minxit super librum istum in nocte Daventrie, et consimiliter omnes alii propter illum. Et cavendum valde ne permittantur libri aperti per noctem ubi cattie venire possunt.»

Frei übersetzt heisst das so viel wie «Hier fehlt nichts, sondern eine Katze urinierte in einer bestimmten Nacht hierauf. Verflucht sei die freche Katze, die nachts hier in Deventer auf dieses Buch gemacht hat! Und die vielen anderen Katzen gleich mit. Und passt gut auf, eure Bücher nachts nicht offen liegen zu lassen, wo Katzen in der Nähe sind.»

«Pfoten, Pipi und Ungeziefer»

Entdeckt hat diese historische und irgendwie auch charmante Anekdote vor zwei Jahren der Historiker Thijs Porck von der Universität Leiden. Auf seinem Blog erklärte er damals unter dem Titel «Paws, Pee and Pests» (Pfoten, Pipi und Ungeziefer), warum Katzen im Mittelalter überhaupt Zutritt zu solch heiklen Räumen wie den Schreibstuben der Mönche hatte: Sie dienten dazu, Ratten und Mäuse fernzuhalten.

Hätte die Katze doch besser das von Helge Schneider prominent besungene «Katzeklo» bestiegen. (Video: Youtube/Egon Hilgers)

Die Zeit vor dem Buchdruck

Erst nachdem Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert den modernen Buchdruck mit beweglichen Metalllettern und Druckerpresse erfunden hatte, konnten Bücher und andere Schriftwerke verhältnismässig schnell hergestellt werden.

Davor war Schreiben per Hand angesagt. Und das war mühselig. Schliesslich musste man dabei besondere Vorsicht walten lassen, denn bei Tintenklecksen und Fehlern musste man wieder von vorne beginnen. Entsprechend lange dauerte es, bis ein Buch fertiggestellt war. Das ist der Grund, weshalb Bücher aus der damaligen Zeit heute als besonders wertvoll gelten. Hinzu kommt, dass die Buchseiten damals aus hochwertigem Papyrus bestanden. (Im Bild: Nachbau einer Gutenbergpresse, Bild: Bundesarchiv, Bild 183-R67584/CC-BY-SA 3.0)

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