Rorschach SG: Katzen-Entführung endet vor dem Gericht

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Rorschach SGKatzen-Entführung endet vor dem Gericht

Eine Frau übergab ihren Kater einem Mann, wollte ihn dann aber gut einen Monat später zurückhaben. Als er sich weigerte, verschwand das Tier. Nun ist der Fall vor Gericht.

von
jeb
Das Kreisgericht Rorschach befasste sich am Donnerstag (1. Juni 2017) mit einem tierischen Fall.

Das Kreisgericht Rorschach befasste sich am Donnerstag (1. Juni 2017) mit einem tierischen Fall.

20 Minuten/jeb

Alles begann mit einem Inserat auf Tutti.ch mit dem Titel «Kater abzugeben». Erstellt wurde es von der Tochter einer Frau aus dem Bezirk Rorschach. Da es ihrer Mutter gesundheitlich schlecht ging, einigte sie sich mit ihrer Schwester, dass sich die Mutter besser vom Kater trennen würde. Dies zumal sich die Mutter noch um eine zweite Katze kümmern musste, die zu diesem Zeitpunkt krank war und vom Kater regelmässig attackiert wurde.

Auf das Inserat meldeten sich mehrere Personen, unter anderem ein Zürcher. Die Mutter entschied, dass sie ihm die Katze übergeben wolle. An einem Samstag Anfang 2016 brachte die Frau den Kater dem Mann an dessen Wohnort, samt Impfpapieren und Heimtierausweis.

Gut einen Monat später allerdings wollte die Frau den Kater zurück. Der neue Halter stieg nicht darauf ein.

Unter allem Hund

«Was darauf geschah, ist unter allem Hund», sagte der Mann am Donnerstag vor dem Kreisgericht Rorschach. Er sei bedroht und unter Druck gesetzt worden. Im Mai verschwand der Kater plötzlich. «Er wurde gestohlen», so der Mann. Zeugen häten gesehen, dass eine der Töchter die Katze mitgenommen hat. Vor Gericht bestritten die beiden Schwestern dies: Die eine sei zum fraglichen Zeitpunkt am Arbeiten gewesen, die andere in den Ferien.

Papierloser Kater

Eine Tochter erzählte vor Gericht eine andere Version: Ihre Mutter habe mit Hilfe der Polizei die Katze zurück holen wollen. Der diensthabende Polizist habe der Frau diesen Wunsch jedoch nicht erfüllt. Es sei der Frau aber erlaubt, vorbei zu gehen, zu klingeln und nach dem Tier zu fragen. Das tat sie dann auch. Der Mann sei jedoch nicht zu Hause gewesen. Also habe sie vor dem Haus gewartet, als der Kater plötzlich auftauchte. Seither ist das Tier wieder zurück bei der ursprünglichen Halterin, jedoch ohne Impf- und Heimtierausweis.

Diese Papiere will der Mann jedoch nicht rausrücken, da er der rechtmässige Besitzer des Tieres sei. Das sieht der Anwalt der Frau anders. Nun soll das Gericht feststellen, wer der Besitzer ist.

«Dem Kater geht es bei mir besser»

Dafür hatte die Richterin wenig Verständnis. Sie ermahnte den Kläger, dass er mit seinen Begehrlichkeiten die Justiz von wichtigeren Fällen abhalte. «Ich finde das äusserst bedenklich», sagte die Richterin. Vor der Verhandlung am Donnerstag hatte bereits ein Schlichtungsverfahren stattgefunden.

Ihm gehe es um Entschädigung der vielen Aufwendungen, die sich mittlerweile bei fast 10'000 Franken belaufen würden, obwohl er «das Theater» nicht angefangen» habe, so der Kläger. Ausserdem wolle er den Kater zurück. Er sei überzeugt, dass es diesem bei ihm besser gehe. «Ich habe Zustände gesehen, auf die ich gar nicht eingehen will», sagte er. Ausserdem gehe es ihm um Anstand.

Zu viel Druck auf Mutter

Zu versöhnlichen Worten kam es vor Gericht nicht. Keine der Parteien wollte in eine Vergleichsverhandlungen treten. Bloss eine Tochter zeigte etwas Reue: «Ich hätte meine Mutter nicht dazu überreden sollen, den Kater wegzugeben. Ich habe zu viel Druck ausgeübt.» Das Tier sei für die Mutter sehr wichtig.

Die Richterin fällte am Donnerstag noch kein Urteil. Wie es im Fall weiter geht, soll nächste Woche entschieden werden.

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