Toxoplasma gondii: Katzen können Schizophrenie auslösen
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Toxoplasma gondiiKatzen können Schizophrenie auslösen

Seit langem steht ein bei Katzen vorkommender Parasit in Verdacht, psychische Krankheiten auszulösen. Jetzt verdichten sich die Hinweise.

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Eine neue Studie dürfte bei Katzenbesitzern für schlechte Laune sorgen.

Eine neue Studie dürfte bei Katzenbesitzern für schlechte Laune sorgen.

Keystone/AP/Jae C. Hong
Laut dieser haben diejenigen, die mit einer Katze aufgewachsen sind, ein grösseres Risiko für psychische Krankheiten.

Laut dieser haben diejenigen, die mit einer Katze aufgewachsen sind, ein grösseres Risiko für psychische Krankheiten.

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Denn so süss Stubentiger auch sind: Sie tragen den Parasiten Toxoplasma gondii in sich, der über den Kot ausgeschieden wird und so zum Menschen gelangt.

Denn so süss Stubentiger auch sind: Sie tragen den Parasiten Toxoplasma gondii in sich, der über den Kot ausgeschieden wird und so zum Menschen gelangt.

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Katzenbesitzer müssen nun tapfer sein. Denn US-Forschern zufolge haben sie ein deutlich grösseres Risiko, an psychischen Krankheiten zu erkranken, wie diese im Fachjournal «Schizophrenia Research» schreiben. Demnach leiden Menschen, die in der Kindheit mit einer Katze zusammenlebten, später «signifikant häufiger» an Schizophrenie oder anderen psychischen Krankheiten.

Für die Studie hatte das Team um Edwin Fuller Torrey vom Stanley Medical Research Institute im US-Bundesstaat Maryland die Daten von über 2000 Familien ausgewertet und festgestellt, dass 50,6 Prozent der von Schizophrenie Betroffenen früher einmal eine Katze gehabt haben. Damit stützt das Ergebnis frühere Untersuchungen.

Geteilte Meinungen

Wie Katzenbesitz und psychische Krankheiten zusammenhängen, können auch Fuller Torrey und seine Kollegen nur mutmassen. Sie haben den Parasiten Toxoplasma gondii in Verdacht, der sich in Katzen festsetzt und sich in ihren Därmen vermehrt. Dort entstehen infektiöse Zellen, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Kommt der Mensch damit in Kontakt, kann auch er sich infizieren (siehe Box).

Auch wenn sich bereits Kritiker wie der britische National Health Service zu Wort gemeldet haben, die unter anderem «nicht ausreichende Beweise» bemängeln: Ganz von der Hand zu weisen, ist das Resultat nicht. Denn schon frühere Studien kamen zu einem ähnlichen Ergebnis.

Katzen unter Beschuss

So haben beispielsweise Forscher der University of California herausgefunden, dass Menschen, die in Gegenden mit hohem Toxoplasma-gondii-Vorkommen lebten, besonders ängstlich, unsicher und depressiv waren – alles Anzeichen einer psychischen Störung.

Weiblichen Katzenfreunden hingegen bescheinigte ein dänisches Forscherteam sogar ein deutlich höheres Suizidrisiko. Laut ihrer Studie, die in den «Archives of General Psychiatry» veröffentlicht wurde, verdoppelte sich die Wahrscheinlichkeit eines Selbstmordversuchs von Frauen, die eine Toxoplasmose durchgemacht hatten.

Toxoplasmose

Beim Menschen ruft Toxoplasma gondii die Krankheit Toxoplasmose hervor. Dabei durchdringen die Erreger die Darmwand, um so in der Muskulatur, aber auch in anderen Organen, Zysten zu bilden, die lebenslang überdauern. Rund ein Drittel aller Menschen macht irgendwann einmal diese Infektion durch, allerdings bleibt sie meistens ohne Symptome. Sie kann aber auch Lungenentzündungen und Hautausschläge auslösen.

Besonders gefährlich ist die Infektion für schwangere Frauen: Der Ausbruch der Krankheit kann zu Fehlgeburten führen oder Missbildungen sowie schwere Erkrankungen des Neugeborenen verursachen.

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