Eglisau ZH: Katzenschreck auf Acker nervt Hündeler
Aktualisiert

Eglisau ZHKatzenschreck auf Acker nervt Hündeler

Ein Bauer hat auf seinem Feld in Eglisau Katzenschreck-Geräte installiert, um Wildschweine zu vertreiben. Der schrille Pfeifton nervt Hündeler und Wildtierliebhaber.

von
som

Einen schrillen Pfeifton hörte ein Leser-Reporter, als er vor einigen Tagen mit seinem Hund im Wald bei Eglisau spazieren ging: «Mein Hund ist unglaublich erschrocken.» Der Leser-Reporter suchte nach der Lärmquelle und wurde auf einem Kartoffelfeld am Waldrand fündig: «Der Bauer hatte in seinem Acker etwa zehn Tiervertreibungsgeräte installiert.»

Selbst aus einer Entfernung von 100 Metern hörte er im Wald die sogenannten Katzenschrecke, die auf einer hohen Frequenz Töne aussenden, um Tiere fernzuhalten. «Ein Bewegungsmelder löst den Pfeifton aus, wenn Autos vorbeifahren», so der Leser-Reporter. Seinen eingeschüchterten Hund brachte er sofort ins Auto zurück und ging woanders spazieren: «Wir Menschen können ja noch ausweichen. Aber was ist mit den Wildtieren im Wald, wenn sich diese Praxis bei Bauern durchsetzt?»

Katzenschreck ist billiger als Elektrozaun

Dass es trotz Katzenschreck immer noch genug ruhige Plätze im Wald für sie gibt, glaubt hingegen der Bauer, der mit diesem Gerät seit einigen Jahre Wildschweine vertreibt. Mit Erfolg, meint er: «Sie haben meine Kartoffeln seither nicht mehr angerührt.» Dass der Pfeifton auch für Menschen hörbar ist, sei unproblematisch: «Es sind ja keine Häuser in der Nähe und man kann ja auch woanders spazieren gehen.» Sein Feld mit Elektrozäunen zu schützen, sei zu teuer und zu aufwändig: «Das würde mich 3500 Franken pro Hektar kosten und ich müsste 5 Stunden Arbeit pro Woche für den Unterhalt aufwenden.» Zudem sei es für Hunde auch nicht angenehm, wenn sie einen Elektrozaun berühren.

Trotzdem findet Jürg Zinggeler, Adjunkt der Zürcher Fischerei- und Jagdverwaltung, dass der Bauer den Aufwand in Kauf nehmen sollte: «Zumal das Zaunmaterial dem kantonalen Wildschadenfonds belastet werden kann.» Dass Bauern den Katzenschreck gegen Wildschweine einsetze, sei nicht empfehlenswert: «Der Schall verbreitet sich ja nicht nur im Feld, sondern auch in der Umgebung aus.» So würden auch andere Tiere ferngehalten, wie etwa Vögel. Den Katzenschreck zu verbieten sei allerdings schwierig, meint Zinggeler: «Da müsste man schon beweisen, dass durch Geräte die Tiere aus dem Wald vertrieben werden.»

Katzenschreck-Geräte können Tinitus auslösen

Das Bundesamt für Umweltschutz stuft die Störung durch Katzenschrecks als erheblich ein. Ebenfalls warnt Andreas Schapowal, Ohrenarzt und Präsident der Tinnitus-Liga Schweiz: «Falsch eingestellt, können sie bei den Menschen Tinitus auslösen», Gesetze für den Umgang mit den Schreckgeräten gibt es keine, im Internet kann man eines für 30 Franken kaufen, «mit dem man jemanden foltern könnte», so Schapowal. Dabei verscheuche man die Tiere auch in dem für Menschen völlig ungefährlichen Frequenzbereich ab 20 Kilohertz: «Diese Lautstärke ist für Menschen nicht einmal hörbar.»

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