Kaugummi- oder Nikotinsucht?: Kauender Obama verärgert die Chinesen

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Kaugummi- oder Nikotinsucht?Kauender Obama verärgert die Chinesen

Beim Apec-Gipfel in Peking zeigte sich US-Präsident Barack Obama des Öfteren Kaugummi kauend. Die Chinesen sind entrüstet.

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cfr

Obwohl er seit 2011 erklärter Nichtraucher ist, hat sich US-Präsident Barack Obama vom Nikotin offenbar noch nicht ganz entwöhnt. Zur Eröffnungszeremonie des Apec-Gipfels (Asian Pacific Economic Cooperation) am Montag erzürnte Obama die chinesischen Gastgeber jedenfalls, als er Kaugummi kauend aus seiner Limousine stieg.

Die chinesische Internet-Community reagierte entsetzt. «Wir haben dieses Treffen so luxuriös gestaltet mit Gesang und Tanz. Doch Obama steigt Kaugummi kauend aus seiner Limousine wie ein Faulenzer», beschwerte sich etwa Yin Hong, Journalismus-Professor an Pekings Tsinghua-Universität, auf dem Mikroblog-Dienst Sina Weibo – Twitter, Facebook, Youtube und Instagram sind in China gesperrt. Ein anderer Nutzer beschimpfte Obama als «Rapper», wie «USA Today» berichtet.

«Respektloses Verhalten»

In China wird Kaugummikauen als sozialer Fauxpas angesehen. Deshalb wurde Obamas Verhalten am grössten chinesischen Ereignis seit den Olympischen Spielen 2008 vom Volk als respektlos gewertet, wie der «Independent» schreibt.

Ein Blogger schreibt sogar: «Kein Wunder, dass Obama zu Hause keine Unterstützung erfährt.» Aus chinesischer Sicht hat sich Obama mit der Niederlage seiner Demokraten bei den US-Kongresswahlen vom Dienstag der Vorwoche als schwache Führungsperson erwiesen. «Die amerikanische Gesellschaft hat Obamas Banalitäten satt», kommentierte die chinesische «Global Times» letzte Woche.

Schon bei Obamas letztem Besuch, als er in den USA politisch noch eine stärkere Position innehatte, habe ihn Gastgeber China kaum ernst genommen, schreibt dagegen die «Financial Times». Obamas als abschätzig wahrgenommenes Verhalten wird nun wohl kaum zur Verbesserung seiner Stellung beitragen. Form und Respekt spielen in China insbesondere auf Regierungsebene eine grosse Rolle. Obamas Kaugummi könnte für die Führung in Peking ein weiterer Grund dafür sein, den US-Präsidenten nicht mehr sonderlich zu achten.

Regierung will dem Volk Manieren beibringen

Die chinesische Regierung hatte sich viel Mühe gegeben, die Hauptstadt auf das Gipfeltreffen vorzubereiten. Um den Smog zu bekämpfen und die Hauptstadt von ihrer besten Seite zu präsentieren, schloss die Regierung kurzfristig einzelne Fabriken, Regierungsbüros, Schulen, Märkte, Strassen und Restaurants.

Doch nicht nur die Luft, auch die Bewohner Pekings sollten auf den Gipfel hin getrimmt werden. Unter dem Motto «Seid zivilisiert und höflich» versuchte die Regierung seit dem Sommer, den Stadtbewohnern bessere Manieren beizubringen. Ein Wettbewerb belohnte jene 100 Passagiere, die sich in öffentlichen Verkehrsmitteln am besten verhielten. Das «Wall Street Journal» schreibt, die Aktion sei «ein bisschen wie ‹China's Next Top Model›, nur für den öffentlichen Verkehr».

Zu den 100 Gewinnern der Etikette wird Obama wohl nicht gehören. Auch deshalb nicht, weil bereits das Transportfahrzeug des US-Präsidenten für Ärger sorgte: Er nutzte für die Fahrt zur Eröffnungszeremonie nicht die von den Chinesen vorgeschlagene Hongqi-Limousine, sondern fuhr wie immer in seiner gepanzerten Cadillac-Limousine vor, genannt «The Beast» (das Biest).

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