17.03.2018 12:34

Vorwurf an RaiffeisenKaufen Banken Firmen mit selbst geschaffenem Geld?

Eine Aufgabe von Banken ist die Geldschöpfung. Dies nutzen sie auch für Firmenzukäufe, so die Vollgeld-Initiative. Raiffeisen sei dies mit Vincenz zum Verhängnis geworden.

von
Isabel Strassheim

Die Aktion der Vollgeld-Initianten auf dem Zürcher Paradeplatz.

Auf dem Zürcher Paradeplatz stand am Donnerstagmorgen ein Mann mit Pierin-Vincenz-Maske, der Geld druckte und in die Luft warf. Die Vollgeld-Initiative demonstrierte damit gegen die Geldschöpfung der Banken. Ihr Vorwurf: «Geld aus dem Nichts für Vincenz». Der frührere Raiffeisen-Chef habe die Möglichkeit der Banken zur Geldschöpfung ausgenutzt.

«Banken können digitales Buchgeld selbst herstellen und schaffen so die Mittel für ihre eigenen Investitionen», sagt der Sprecher der Vollgeld-Initianten, Raffael Wüthrich. Buchgeld ist kein Bargeld, sondern existiert nur als Zahl auf einem Bankkonto. Die Raiffeisenbank habe dies für ihren Zukauf von Investnet genutzt, mit dem sich Vincenz persönlich bereichert haben soll. Die Raiffeisenbank wollte hierzu mit Verweis auf das laufende Verfahren gegen Vincenz keine Stellung beziehen.

Banken schöpfen auch für sich selbst Geld

Generell sind Banken nicht nur als Geldvermittler, sondern auch für die Geldschaffung zuständig. Sie drucken zwar nicht wie die Zentralbank das Bargeld, aber sie schaffen doch bei jeder Kreditvergabe das digitale Buchgeld: Die Bank schreibt dem Kreditnehmer die Summe auf seinem Bankkonto ganz einfach gut.

Laut Wirtschaftsprofessor Mathias Binswanger können Banken so auch für den eigenen Kauf von Aktien oder Firmen selbst das Geld schöpfen. «Sie sind in der Lage, Geld dafür selbst zu schaffen und sich quasi selbst einen zinsfreien Kredit zu geben, auch wenn dies bilanztechnisch nicht so in Erscheinung tritt», erklärt Binswanger, der an der Fachhochschule Nordwestschweiz lehrt. Damit besitzen Banken laut ihm tatsächlich ein Privileg.

SNB will Bankengeldschöpfung nicht begrenzen

Beschränkt wird dies allerdings durch die Eigenkapitalvorschriften. Auch Banken können nicht unbegrenzt riskante Wertpapiere oder Beteiligungen halten, ohne über entsprechendes Eigenkapital zu verfügen, so Binswanger. «Und am Schluss geht es wie überall um Gewinn, ein Kauf macht nur solange Sinn, wenn er etwas einbringt.»

Laut der Vollgeld-Initiative hatten Schweizer Banken 2014 Wertschriften, Edelmetalle, Finanzanlagen, Immobilien oder Beteilligungen im Wert von über 209 Milliarden in ihrem Besitz. Das nötige Geld dafür erzeugten die Banken selbst per Bilanzverlängerung. Die Berechnung basiert auf dem Bankenreport der Schweizerischen Nationalbank, die seit 2015 die detaillierten Daten hierzu jedoch nicht mehr publiziert.

Die Vollgeldreform, über die am 10. Juni abgestimmt wird, will die Geldschöpfung den Banken entziehen und allein der Nationalbank unterstellen. Die SNB lehnt die Initiative ab. Die Eigenmittel- und Liquiditätsvorschriften genügen ihr zufolge, um die Banken bei der Geldschaffung zu begrenzen.

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