01.03.2019 18:31

Tesla machts vor

Kaufen Kunden ihr Auto bald nur noch online?

Tesla verlagert den Verkauf vollständig ins Internet. Doch in der Schweiz lahmt der Onlinevertrieb. Das könnte sich bald ändern.

von
Dominic Benz
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US-Elektroautobauer Tesla will weltweit seine Läden schliessen und den Verkauf ausschliesslich online betreiben.

US-Elektroautobauer Tesla will weltweit seine Läden schliessen und den Verkauf ausschliesslich online betreiben.

AP/David Zalubowski
In der Schweiz ist der Onlinekauf noch nicht angekommen.

In der Schweiz ist der Onlinekauf noch nicht angekommen.

Keystone/Christian Beutler
«Der Autokauf online findet zurzeit nicht statt», teilt etwa der Schweizer Autohändler Amag mit.

«Der Autokauf online findet zurzeit nicht statt», teilt etwa der Schweizer Autohändler Amag mit.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Tesla-Autos gibt es künftig nur noch im Internet zu kaufen. Damit werden alle Läden des Elektroauto-Herstellers verschwinden. Das teilte Firmenchef Elon Musk mit. Er will es den Kunden weltweit ermöglichen, seine Autos ganz einfach und schnell auf dem Smartphone zu kaufen.

Setzt Musk damit einen Trend in der Branche? Gibt es den Verkauf von Autos bald nur noch online? Der Schweizer Autohändler Amag winkt ab. «Der Autokauf online findet zurzeit nicht statt», sagt Amag-Sprecher Dino Graf auf Anfrage. Zwar würden sich die Kunden im Internet über Autos informieren und ihr Wunschfahrzeug online konfigurieren. «Doch die Verkaufsverhandlungen finden beim Handelspartner statt», so Graf.

«Es wird immer Standorte geben»

Amag geht nicht davon aus, dass es generell nur noch Onlinekäufe geben wird. Der Kunde investiert laut Graf sehr viel Geld in ein neues Auto, da wolle er wissen und spüren, was er kaufe. Zudem wolle der Kunde das Auto und dessen Ausstattung bei Testfahrten erleben. «Darum wird es immer stationäre Autohändler geben», sagt Graf.

Auch der Gewerbeverband Schweiz (AGVS) teilt mit, dass hierzulande der Autoverkauf direkt über das Internet kaum existiere. «Zurzeit sind in der Schweiz sowohl die Nachfrage als auch das Angebot gering», sagt AGVS-Geschäftsleitungsmitglied Markus Aegerter. Dass Autos irgendwann nur noch online gekauft werden, glaubt der Verband daher nicht. «Allenfalls nur bestimmte Modelle einzelner Marken», so Aegerter. Die grosse Mehrheit der Käufer wünsche aber eine kompetente Beratung und Probefahrten.

«Abos machen den klassischen Autohandel überflüssig»

Anderer Meinung ist Ferdinand Dudenhöffer. Der Automobil-Experte an der Universität Duisburg sagt zwar, dass der Onlineverkauf direkt bei den Händlern tatsächlich nicht stattfinde. «Doch der Markt im Internet wächst. Dafür sorgen neue Verkaufsmodelle wie etwa das Auto-Abo, das online abgeschlossen wird», so der Experte.

Mit einem Abo können Kunden für eine monatliche Fixgebühr ein Auto fahren und jederzeit das Modell wechseln – je nach Vertrag. So kennt der Kunde seine Autokosten im Voraus und geht keine Risiken ein, falls er mit einem Auto nicht zu frieden ist. Zudem fallen mit solchen Onlinemodellen die Händlerkosten weg, was das Autofahren noch billiger macht. Laut Dudenhöffer gibt es für die Kunden daher keinen Grund mehr, das Auto nicht direkt im Netz zu besorgen. «Der Trend mit Abos wird sich fortsetzen und lässt den klassischen Autohandel langfristig zur Nische werden.»

Dramatische Veränderungen

Gemäss dem Experten ist den Autohändlern klar, dass die neuen Onlinemodelle eine grosse Herausforderung sind. Allerdings würden sich bis jetzt sowohl die Händler als auch die Autobauer in einer trügerischen Ruhe wiegen und das Internet scheuen. «Doch das Internet verändert auch die Autobranche dramatisch.» Vor allem junge Autofahrer seien daran interessiert, sich ihr Auto mit einem Klick übers Smartphone zu besorgen. Dudenhöffer ist sich daher sicher: «Es wird bestimmt weitere neue Onlinemodelle geben.»

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