Likes aus Asien: Kaufen Schweizer Modeblogger ihre Fans?

Aktualisiert

Likes aus AsienKaufen Schweizer Modeblogger ihre Fans?

Schweizer Blogs haben vor allem Schweizer Fans, würde man meinen. Doch viele Blogger haben auffallend viele Fans aus Asien. Weshalb?

von
D. Vollenweider
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Sie ist einer der bekanntesten Schweizer Bloggerinne und lebt inzwischen in Los Angeles: Kristina Bazan. Hat sie überhaupt noch Schweizer Fans? Tatsächlich ist ihre Leserschaft sehr international.

Sie ist einer der bekanntesten Schweizer Bloggerinne und lebt inzwischen in Los Angeles: Kristina Bazan. Hat sie überhaupt noch Schweizer Fans? Tatsächlich ist ihre Leserschaft sehr international.

epa/Caroline Blumberg
Die Facebook-Fans ihres Blogs «Kayture» stammen aus Indien, Pakistan und den Philippine.

Die Facebook-Fans ihres Blogs «Kayture» stammen aus Indien, Pakistan und den Philippine.

Screenshot: Sterntv-experimente.de
Ähnlich sieht es bei Xenia Tchoumi aus ...

Ähnlich sieht es bei Xenia Tchoumi aus ...

Keystone/Christian Brun

Modeblogger geniessen vor allem bei jungen Leuten ein hohes Ansehen – sie sind die sogenannten Influencer von heute. Mit ihrem Sinn für Mode und Lifestyle beeinflussen sie ihre Leser. Doch wie relevant sind in der Szene Modeblogs aus der Schweiz? Eine wichtige Masseinheit ist dabei die Reichweite. Diese lässt sich unter anderem durch die öffentlich einsehbare Anzahl Fans auf Facebook bestimmen. Das ist eine wichtige Grösse, die Blogger bei PR- oder Online-Marketing-Agenturen angeben, wenn es darum geht, Aufträge für bezahlte Blogeinträge zu erhalten. Die wichtigste Kennzahl ist allerdings die Reichweite eines Blogs, die durch die Besucherzahlen bestimmt wird. Diese Kennzahl ist häufig nicht öffentlich zugänglich.

Likes sind die wichtigste Masseinheit

«In den Augen vieler Werbetreibender sind die Likes nach wie vor die wichtigste Masseinheit, wenn es darum geht, mit welchen Bloggern sie eine Zusammenarbeit eingehen wollen», sagt auch Simon Künzler, Managing Partner der Online-Marketingagentur Xeit in Zürich. Die Agentur betreibt intensiv Blogger Relations und arbeitet regelmässig mit Influencern zusammen. Doch bedeuten viele Facebook-Fans immer auch gleich eine grosse Popularität? Das kommt darauf an, ob die Fans echt sind oder nicht.

Herausfinden lässt sich das mit einem Tool im Internet. Wie der Style-Experte Jeroen van Rooijen im Bellevue-Blog der NZZ schreibt, lässt sich damit ganz einfach die Herkunft der Facebook-Freunde bestimmen. Wer die Facebook-URL seines Lieblingsblogs eingibt, erhält ein Kuchendiagramm, das zeigt, wo die Fans leben.

Fans aus Mexiko, Polen und Indien

20 Minuten hat einige der wichtigsten Schweizer Blogs – darunter international bekannte Grössen wie die Modebloggerinnen Kristina Bazan (Kayture), Michèle Krüsi (The Fashion Fraction) und Xenia Tchoumi (Chic Overdose) – unter die Lupe genommen (mehr dazu in der Diashow). Das Resultat: Sie alle zählen auf eine sehr internationale Leserschaft.

Bei The Fashion Fraction stammen gerade mal 14,2 Prozent der Leser aus der Schweiz. Das ist nicht weiter erstaunlich, zumal Krüsi – wie auch andere Schweizer Modeblogger – ihre Beiträge auch auf Englisch schreibt. 15,6 Prozent der Fans stammen aus Mexiko, 12,8 Prozent aus Polen und 12,7 Prozent aus Argentinien. Bei Xenia Tchoumi sieht das Kuchendiagramm ähnlich aus: Indien, Pakistan, Mexiko – der Anteil Schweizer Fans ist wohl so klein, dass er unter «Weitere» fällt. Auch bei Kristina Bazan sind viele der Fans aus Indien, Pakistan und den Philippinen.

1000 Likes aus Bangladesh kosten 15 Dollar

Ob die Facebook-Fans nun gekauft sind oder nicht, lässt sich nicht abschliessend sagen. Klar ist jedoch, dass viele Fans aus dem asiatischen Raum und Osteuropa stammen. Hier befinden sich oftmals sogenannte Click Farms, wo billige Arbeitskräfte ihre Tage damit verbringen, fiktive Facebook-Profile und Likes zu generieren. Laut «The Guardian» sind 1000 Likes aus einer solchen Klick-Fabrik in Bangladesh beispielsweise für 15 Dollar zu haben. Die Angestellten erhalten dafür einen Lohn von gerade mal 120 Dollar pro Jahr.

Marketingexperte Künzler ist diese Problematik nicht unbekannt – das Phänomen sei vor allem bei den Schweizer Modeblogs zu beobachten, weniger bei Blogs aus den Bereichen Kochen, Lifestyle und Familie. «Bei Fashionblogs ist die Kommerzialisierung schon sehr weit vorangeschritten und der Druck, mithalten zu können, gross», erklärt Künzler. Er betont deshalb, dass die Qualität eines Blogs genauso wichtig sei wie die Reichweite.

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