Aktualisiert 02.09.2015 09:30

Zürcher Obergericht

Kaufleuten-Messerstecher kassiert härtere Strafe

Für die tödlichen Messerstiche vor dem Kaufleuten muss Shivan M. doch länger sitzen: Das Obergericht hat die Strafe wegen Mordes auf 18 Jahre erhöht.

von
A. Szenogrady
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Vor dem Zürcher Obergericht musste sich am Dienstag, 1. September 2015, Shivan M. verantworten. Er soll am 15. Juli 2012 Vigan M. vor dem Kaufleuten erstochen haben.

Vor dem Zürcher Obergericht musste sich am Dienstag, 1. September 2015, Shivan M. verantworten. Er soll am 15. Juli 2012 Vigan M. vor dem Kaufleuten erstochen haben.

Keystone/Walter Bieri
Staatsanwalt Michael Scherrer hatte das Urteil gegen Shivan M. und die beiden Mitbeschuldigten weitergezogen.

Staatsanwalt Michael Scherrer hatte das Urteil gegen Shivan M. und die beiden Mitbeschuldigten weitergezogen.

Keystone/Walter Bieri
Shivan M. musste sich ab dem 24. Juni 2014 vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten, weil er 2012 vor dem Kaufleuten Vigan M. (23) mit elf Messerstichen getötet hatte. Der Täter ist geständig: Er habe aus Furcht vor einem Angriff zugestochen, nachdem er von seinem späteren Opfer und dessen Bruder zusammengeschlagen worden war.

Shivan M. musste sich ab dem 24. Juni 2014 vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten, weil er 2012 vor dem Kaufleuten Vigan M. (23) mit elf Messerstichen getötet hatte. Der Täter ist geständig: Er habe aus Furcht vor einem Angriff zugestochen, nachdem er von seinem späteren Opfer und dessen Bruder zusammengeschlagen worden war.

Keystone/Robert Honegger

«Der Beschuldigte hat mit elf Messerstichen aus Vergeltungssucht einen Menschen vernichtet», erklärte der Gerichtsvorsitzende Christoph Spiess anlässlich der Urteilseröffnung vom Dienstag. Die Oberrichter hatten die Ereignisse vom 14. Juli 2012 noch einmal analysiert. Damals hatte der heute 24-jährige Iraker Shivan M.* beim Zürcher Restaurant Kaufleuten in den frühen Morgenstunden zunächst Prügel bezogen.

Fest steht, dass er sich zunächst zurückzog, dann aber wutentbrannt mit einem Messer zurückkehrte und zwei Brüder aus Hombrechtikon brutal niederstach. Zunächst den 23-jährigen Vigan M.*, der damals gerade seinen Geburtstag feierte. Shivan M. metzelte ihn laut Staatsanwalt Michael Scherrer mit elf wuchtigen Messerstichen buchstäblich nieder. Dann stach er auch den zu Hilfe eilenden Bruder des Opfers mit einem Stich in die Bauchgegend nieder und verletzte ihn damit lebensgefährlich.

Familienfreund von Shivan M. zum Urteil

«Kaltblütig, konsequent und skrupellos»

«Der Täter hat kaltblütig, konsequent und skrupellos gehandelt», führte Spiess aus und begründete damit den Schuldspruch wegen Mordes und ebenso das Verdikt wegen versuchter vorsätzlicher Tötung beim schwerverletzten Privatkläger.

Als Tatmotive orteten die Oberrichter Wut und Rachedurst. Von Notwehr, die der Beschuldigte geltend gemacht hatte, wollten sie nichts wissen und gingen mit keinem Wort darauf ein. Mit diesem Urteil folgten die Oberrichter bei der rechtlichen Würdigung dem erstinstanzlichen Urteil des Bezirksgerichts Zürich, das Shivan M. bereits im Juni 2014 wegen Mordes und Tötungsversuchs zu einer Freiheitsstrafe von 16 Jahren verurteilt hatte.

Strafe deutlich erhöht

Bei der Strafzumessung folgten die Oberrichter zum Teil der Staatsanwaltschaft, die eine deutliche Erhöhung der Strafe auf 20 Jahre forderte. Der Staatsanwalt machte geltend, dass die Bezirksrichter den Strafrahmen zwischen zehn und zwanzig Jahre gesehen hätten. Zu Unrecht, da der obere Rahmen bei lebenslänglich liege.

Dieser Auffassung folgten auch die Oberrichter, die mit 18 Jahren Freiheitsentzug die Strafe deutlich erhöhten. Während des Strafvollzugs ordneten sie eine ambulante Psychotherapie für den Verkäufer an. Keine Chance hatten die Anträge der Verteidigung, die nicht nur wegen vorsätzlicher Tötung eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren verlangte, sondern sich auch für den Aufschub der Strafe zugunsten einer Massnahme für junge Erwachsene, sprich für eine Arbeitserziehung, einsetzte.

Freispruch für mutmasslichen Helfer bestätigt

Mehr Glück als Shivan M. hatte ein mutmasslicher Gehilfe. Laut Anklage hatte der heute 24-jährige Gärtner aus Stäfa dem Haupttäter vor den blutigen Angriffen das Messer gegeben. Allerdings sahen auch die Oberrichter diesen schweren Vorwurf als nicht erwiesen an und betätigten den Freispruch des Bezirksgerichts Zürich. Andernfalls hätte dem Schweizer wegen Gehilfenschaft zu Mord eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren gedroht. Ebenso der Widerruf einer zweijährigen Vorstrafe.

Aus dem Urteil des Obergerichts geht hervor, dass Messerstecher Shivan M. bereits 1130 Tage der Strafe verbüsst hat. Er wurde allerdings zu einem hohen Schmerzensgeld für die Hinterbliebenen des verstorbenen Opfers verpflichtet. So soll er ihnen eine Genugtuung von insgesamt 235'000 Franken entrichten.

*Namen der Redaktion bekannt

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