Aktualisiert 15.04.2020 11:18

Corona-Krise

Kaufprämie als Stimulus für die Autoindustrie?

Deutsche Hersteller wünschen sich wegen der Corona-Krise staatliche Zuschüsse. Auch der Umstieg auf umweltfreundlichere Antriebe könnte so gelingen.

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lab/dpa
Bald wieder hochgefahren? Die deutsche Automobilindustrie steckt in der Corona-Krise.

Bald wieder hochgefahren? Die deutsche Automobilindustrie steckt in der Corona-Krise.

Keystone

Die Corona-Krise trifft auch die Autoindustrie mit voller Wucht. Die Produktion liegt bei vielen Herstellern still, der Verkauf lahmt oder bleibt ganz aus. In Deutschland haben sich die Branchengrössen nun mit Ideen zu Wort gemeldet, wie der Weg aus der Krise am besten zu bewerkstelligen ist.

Volkswagen und BMW schlagen dabei staatliche Anreize für Autokäufer vor, um die Corona-Krise zu überwinden. BMW-Vorstandschef Oliver Zipse etwa sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: «Wir sehen in einer Innovationsprämie eine doppelte Chance: Sie kann als Konjunkturmassnahme die Wirtschaft ankurbeln und gleichzeitig den Umstieg der Kunden auf klimaschonende Technologien beschleunigen.»

So könne man wirtschaftliche Erholung mit wirksamem Klimaschutz kombinieren, anstatt beides gegeneinander auszuspielen.

Neustart gefordert

Auch VW-Manager Stefan Sommer hält es nicht für ausreichend, für einen Neustart des Autogeschäfts in Deutschland und Europa allein die Autohäuser und die Zulassungsstellen wieder zu öffnen. «Es braucht Investitionen in die Industrie, und es braucht Investitionen in das Konsumverhalten», sagte das Konzernvorstandsmitglied gegenüber der FAZ. Das werde sogar noch dringender notwendig sein als nach der internationalen Finanzkrise 2009. Damals zahlte der deutsche Staat eine Abwrackprämie beim Kauf eines Neuwagens.

Diverse Politiker haben sich denn auch bereits für ein Konjunkturprogramm ausgesprochen. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder etwa forderte ein Automobil-Programm, das wie die Abwrackprämie 2009 den Autokauf ankurbeln solle. «Das ist eine Riesenchance, den klimafreundlichen Antrieben zum Durchbruch zu verhelfen, und zwar in der Breite.»

Verglichen mit der Abwrackprämie vor zehn Jahren müsse die Prämie aber höher sein und auch länger gewährt werden. Auch Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sprach sich für ein Konjunkturprogramm aus. «Ein Weg wäre, die Prämie von 6000 Euro beim Kauf eines Elektroautos befristet aufzustocken oder gar Anreize für den Kauf modernster Benziner und Diesel zu setzen», sagte er der FAZ. Das diene gleichzeitig dem Klimaschutz.

Grüner Gegenwind

Es gibt aber auch kritische Stimmen. Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer etwa lehnt eine neue Prämie ab. «Ein Abwrackprämie wird die Autoindustrie nicht auf die Beine bringen, sondern führt, wenn überhaupt, zu einem Strohfeuer». Die Prämie habe 2009 «die Grundlage dafür gelegt, dass die Autoindustrie bis heute bei der Elektromobilität hinterherhinkt».

Auch der Verkehrsexperte der Umweltorganisation BUND, Jens Hilgenberg, sagte, pauschale und aus Steuergeld finanzierte Kaufbeihilfen seien der falsche Weg. In der CDU dagegen befürworten viele eine Innovations- statt einer Kaufprämie. Diese könne beispielsweise nach Emissionen gestaffelt sein, solle aber alle Antriebe einbeziehen, auch Benzin- und Dieselautos. Sonst würden zu viele bestehende Arbeitsplätze gefährdet.

VW mit Plänen

Unterdessen will VW in Kürze seine Pläne für das Hochfahren der Produktion in Deutschland vorstellen. «Die Planung für den Wiederanlauf wird ausgearbeitet», so Beschaffungsvorstand Sommer. Alles hänge jedoch stark von den Vorgaben der Politik ab – «und wann sie plant, das öffentliche Leben wieder hochlaufen zu lassen».

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