Aktualisiert 19.12.2019 05:53

Fund aus der Steinzeit

«Kaugummi» enthüllt, wie Steinzeit-Lola lebte

Ein uraltes Stück Pech, aus dem die DNA einer jungen Frau extrahiert wurde, erweckt diese quasi wieder zum Leben. Forscher erhoffen sich viel von diesem Fund.

von
trx
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Anhand der Informationen der Wissenschaftler malte ein Künstler dieses Bild einer kindlich aussehenden Steinzeitfrau.

Anhand der Informationen der Wissenschaftler malte ein Künstler dieses Bild einer kindlich aussehenden Steinzeitfrau.

Tom Björklund
Alles, was sie über Lola wissen, gab dieses 5700 Jahre alte Stück Birkenpech preis.

Alles, was sie über Lola wissen, gab dieses 5700 Jahre alte Stück Birkenpech preis.

zvg
Die Insel Lolland im Süden Dänemarks (rot) wurde schon früh besiedelt.

Die Insel Lolland im Süden Dänemarks (rot) wurde schon früh besiedelt.

Sie hatte dunkelbraune Haare, blaue Augen und dunkle Haut: All dies konnten Wissenschaftler aus einem 5700 Jahre alten Stück Birkenpech herauslesen, das bei Ausgrabungen in Syltholm auf der dänischen Insel Lolland gefunden wurde.

Die Forscher gehen davon aus, dass das Pech vom Mädchen gekaut worden war. Dies wohl auch deshalb, weil es eine antibakterielle Wirkung hatte und so als eine Art prähistorische Zahnbürste diente, wie sie im Fachjournal «Nature Communications» schreiben. Die DNA im Pech war so reichhaltig, dass es den Forschern gelang, das gesamte menschliche Genom zu rekonstruieren.

Selbst den Menüplan der «Lola» genannten Steinzeitfrau konnten die Wissenschaftler entschlüsseln: Am Harz fanden sich DNA-Reste von Haselnüssen und Ente. Zudem war Lola laktoseintolerant: Milchprodukte konnte sie nicht verdauen – die Menschen wandten sich erst später der Viehzucht zu.

«Zeitkapsel» erzählt von damals

Die Forschung verspricht sich viel vom sensationellen Fund. So konnte aus der DNA im Birkenharz auch das orale Mikrobiom des Mädchens , also die Gesamtheit der Mikroben in ihrem Mund rekonstruiert werden. Es zeigte sich, dass sie möglicherweise unter Parodontose gelitten und Erreger für eine Lungenentzündung sowie das Pfeiffersche Drüsenfieber in sich getragen hatte.

«Es ist das erste Mal, dass wir ein ganzes Genom aus etwas anderem als Knochen oder Zähnen gewinnen konnten», so Studienleiter Hannes Schroeder von der Universität Kopenhagen. Nun sollen auch Erkenntnisse über die Lebensweise der Menschen, ihre Verbreitung auf der Erde und Krankheiten, an denen sie litten, gewonnen werden.

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