Aktualisiert 15.12.2010 18:52

MoskauKaukasier und Nazis gehen aufeinander los

Dramatische Strassenszenen in Moskau: Hundertschaften der russischen Polizei haben bei Zusammenstössen zwischen Ultranationalisten und Kaukasiern rund 1000 Menschen festgenommen.

Die Moskauer Polizei hat über 1000 Personen bei ethnischen Ausschreitungen festgenommen.

Die Moskauer Polizei hat über 1000 Personen bei ethnischen Ausschreitungen festgenommen.

Am Kiewer Bahnhof in der russischen Hauptstadt sperrten die Sicherheitskräfte am Mittwoch auch den Zugang zu einem der grössten Einkaufszentren sowie zur Metro. Verängstigte Passanten ergriffen schreiend die Flucht. Es kam zu teils dramatischen Szenen, als die Polizei versuchte, die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Die Stimmung in Moskau ist seit Tagen extrem aufgeheizt, nachdem mutmassliche Täter aus dem Kaukasus einen russischen Fussballfan erschossen hatten. Aufgebrachte Jugendliche zogen durch die Strassen und feuerten Nebelkerzen und Feuerwerkskörper ab.

«Russland für die Russen», «Moskau für die Russen», «Haut ab in den Kaukasus», skandierten hunderte junge Männer und Frauen. Auch an anderen Orten in Moskau sowie in St. Petersburg und Samara kam es zu Protestmärschen sowie massenhaften Festnahmen. Dabei seien etliche Waffen beschlagnahmt worden, hiess es.

Gewaltiges Polizeiangebot

Allein am Kiewer Bahnhof waren etwa 3000 Sicherheitskräfte im Einsatz, darunter die auf Anti-Terror-Einsätze spezialisierte Sonderpolizei OMON. Mit Schlagstöcken ausgerüstete Polizisten versuchten, mit Lautsprecher-Durchsagen die Menge zu beruhigen.

Trotz des gewaltigen Polizeiaufgebots gerieten die verfeindeten Gruppen immer wieder aneinander. Am Ufer des Moskwa-Flusses schlugen zahlreiche junge Männer mit Eisenstangen und Baseball-Schlägern aufeinander ein. Es gab mehrere Verletzte. Auch auf dem Bahnhofsvorplatz kam es immer wieder zu Schlägereien.

Offene Auseinandersetzungen zwischen den Bevölkerungsgruppen wie in den vergangenen Tagen sind ein Novum in Russland, wo sonst scharfe Demonstrationsverbote gelten. Kremlchef Dmitri Medwedew forderte ein hartes Durchgreifen gegen die Demonstranten.

Tausende Rechtsextreme

Am Wochenende waren bei einer Strassenschlacht in der Nähe des Kremls mehr als 30 Menschen verletzt worden. Etwa 5000 Demonstranten hatten dort bei einer Kundgebung an einen Anhänger des Fussballclubs Spartak Moskau erinnert, der während eines Streits an einer Bushaltestelle erschossen worden war.

Die Festnahme eines aus der Kaukasusregion Kabadino-Balkarien stammenden Verdächtigen befeuerte die seit langem schwelenden ethnischen Spannungen in der Stadt. «Die Lage in Moskau ist unter Kontrolle», sagte demgegenüber Polizeisprecher Viktor Birjukow.

Betroffen von fremdenfeindlichen Übergriffen sind sowohl russische Bürger aus südlichen Teilen des Landes wie Menschen aus Zentralasien. Jedes Jahr werden in Russland Dutzende Gastarbeiter ermordet. Nach offiziellen Angaben sind in rund 150 Gruppierungen etwa 10 000 Rechtsextreme organisiert. (sda)

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