Schweizer Nati: Kaum Chancen gegen Weltmeister

Aktualisiert

Schweizer NatiKaum Chancen gegen Weltmeister

Die Nati spielt am Samstag in Genf gegen den amtierenden Weltmeister Italien. Die Bilanz der Schweiz gegen die Titelhalter ist allgemein sehr ernüchternd.

von
Peter Berger
Im August 2009 gab es ein 0:0 gegen Italien: Chiellini lässt gegen Inler das Bein stehen. (Keystone)

Im August 2009 gab es ein 0:0 gegen Italien: Chiellini lässt gegen Inler das Bein stehen. (Keystone)

Genau 20-mal spielte die Nati bisher gegen einen amtierenden Weltmeister. Die Bilanz: 3 Siege, 8 Remis und 9 Niederlagen. «Gegen einen Weltmeister zu ­gewinnen, wäre toll. Das würde den ­Respekt vor uns erhöhen», hofft Gökhan Inler auf einen Exploit. Der Udinese-Söldner ist gegen die Italiener besonders motiviert. «Wir wollen ein Zeichen setzen und dem grossen Gegner ein Bein stellen.»

Italien war bisher der häufigste Schweizer Gegner als amtierender Titelhalter. 1936 spielte die Schweiz erstmals – von bisher elf Duellen – gegen den Weltmeister aus dem südlichen Nachbarland (1:2). Während es in den frühesten Begegnungen nichts zu holen gab, hat sich die Bilanz in jüngerer Vergangenheit massiv verbessert. Zuletzt resultierten zwei Unentschieden (2009, 1984) und ein Sieg (1982). Neben bisher zwei Erfolgen gab es gegen die Azzurri auch fünf Remis.

Deutlich schlechter schnitt die Nati ab, wenn es gegen Weltmeister Deutschland ging: 1 Sieg, 1 Remis, 4 Pleiten. Vor 20 Jahren kassierte die Schweiz im bisher letzten Vergleich mit Weltmeister Deutschland eine 0:4-Klatsche. Völler, Riedle, Thom und Matthäus hiessen die Torschützen damals.

Seltener sind Partien gegen Weltmeister aus Südamerika. Zweimal spielte die Schweiz gegen Argentinien (0/1/1), einmal gegen Uruguay – 1954 gab es ein 3:3. Noch nie trat die Nati gegen den fünffachen Weltmeister Brasilien an, wenn die Samba-Kicker aktuelle Titelhalter waren. Auch England und Frankreich konnte sie während ­deren weltmeisterlichen Periode nie herausfordern.

Die Schweiz, Weltmeister von Oktober 1982 bis April 1983

Stellen Sie sich vor, der Fussball-Weltmeister würde nicht im 4-Jahres-Rhythmus gekürt, sondern müsste seinen Titel wie im Boxen immer wieder gegen Herausforderer verteidigen. Wer den alten Champion bezwingt, ist neuer Weltmeister. Nach diesem Muster durchforstete der Australier James Allnutt die Fussball-Annalen seit dem ersten Länderspiel England – Schottland am 30. November 1872. Dummerweise endete die Partie 0:0, erst am 8. März 1873 gabs einen Weltmeister: England siegte 4:2. Die nächsten 30 Jahre wechselte der Titel zwischen England und Schottland hin und her, ehe 1903 Irland die Schotten bezwingen konnte. Während nach Fifa-Regeln am Ende meistens Brasilien gewinnt, konnten nach Allnutts Methode schon Israel, Venezuela oder Österreich einen WM-Titel feiern. Und die Schweiz: Am 27. Oktober 1982 entthronte sie Italien in Rom dank eines Tors von Ruedi Elsener. Danach konnte die Nati ihren Titel gegen Schottland, Griechenland und Bulgarien verteidigen, ehe sie ihn am 13. April 1983 an Russland verlor.

Quelle: Ulrich Hesse-Lichtenberger: «Wie Österreich Weltmeister wurde»

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