Aktualisiert 02.09.2015 08:51

Trend verschlafen

Kaum eine Gemeinde hat ihre eigene App

Während die meisten Firmen heute auf Apps setzen, wissen die Gemeinden am Zürichsee nicht, was sie mit der neuen Technik anfangen sollen. Dabei verpassen sie viele Chancen.

von
zed
Thalwil ist eine der sechs Gemeinden im Bezirk Horgen, die eine App anbietet.

Thalwil ist eine der sechs Gemeinden im Bezirk Horgen, die eine App anbietet.

Alles muss heutzutage mobil sein. Wer eine Webseite anbietet, muss sicherstellen, dass diese auch auf dem Handy gut aussieht oder besser noch: gleich eine separate App kreieren. Dies geschieht auch bereits in vielen Schweizer Städten. Nur die Zürcher Gemeinden tun sich damit noch etwas schwer. Bloss 10 von 23 Gemeinden in den Bezirken Horgen und Meilen bieten zusätzlich zu ihrer Webseite auch eine App an, wie die «Zürichsee-Zeitung» berichtet.

«Die Gemeinden sehen sich nicht in der Vorreiterrolle und sind bei Innovationen eher zurückhaltend», sagt Lorenz Ilg, Mitgründer der Firma Innovative Web AG, welche die meisten Apps für die Gemeinden der Region entwickelt hat, gegenüber der ZSZ. Dies liege daran, dass die Entscheidungsträger in den Gemeinden häufig einer älteren Generation angehören und den Nutzen einer App nicht sehen, da sie diese selbst nicht verwenden würden.

Meilen als Vorreiter

Dabei sind Apps in vielen Belangen sinnvoll: Sie bieten die Möglichkeit, die Bewohner über Veranstaltungen, Vereine, Entscheide und wichtige Telefonnummern zu informieren. Eine einfache Push-Nachricht könnte an eine bevorstehende Abfallsammlung erinnern. Ausserdem stellen Apps eine geeignete Möglichkeit dar, ein junges Publikum für die Lokalpolitik zu gewinnen.

Eine der ersten Gemeinden, die eine App eingerichtet hat, ist Meilen, wie die ZSZ berichtet. Seit dem Sommer 2011 ist eine solche Applikation verfügbar. Allerdings wird diese bislang nur von zirka 400 der insgesamt 13'100 Einwohnern benutzt. Horgen wurde im Dezember 2012 mobil. Dort verzeichnet die App immerhin 1400 Nutzer. Küsnacht stieg erst dieses Jahr in die mobile Welt ein.

Apps sind teuer

In den vielen Gemeinden, die bislang noch keine App anbieten, spielen vor allem Kostengründe eine Rolle. «Der Initialaufwand ist beträchtlich», sagt Catrina Erb-Pola, Gemeindeschreiberin in Küsnacht. Ihre App habe im ersten Jahr 6000 Franken gekostet. In Meilen beträgt der jährliche Unterhalt 3500 Franken und in Horgen sind es 2900 Franken.

Insgesamt bieten im Bezirk Meilen vier von elf Gemeinden eine App an: Küsnacht, Männedorf, Meilen und Zollikon. Im Bezirk Horgen sind es sechs von zwölf (Adliswil, Horgen, Kilchberg, Richterswil, Thalwil und Wädenswil). Die anderen Gemeinden teilten der ZSZ meist mit, dass die Möglichkeit einer eigenen App zu einem späteren Zeitpunkt nochmals in Betracht gezogen werde.

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