Aktualisiert

Reptilienschmuggel«Kaum entdeckt, schon vom Aussterben bedroht»

Deutschland gilt als Drehscheibe des Handels mit exotischen Reptilien. Aber auch in die Schweiz werden die Tiere regelmässig eingeschmuggelt – Tendenz steigend.

von
Fee Riebeling

Grüngeckos, Tannenzapfenechse und Borneo-Taubwaran: Diese Arten lassen die Herzen von Reptilienfans weltweit höherschlagen. Bei manchen bleibt es jedoch nicht dabei. Sie tun so gut wie alles, um eines der raren Exemplare in ihren Besitz zu bekommen. Selbst wenn sie dafür das Gesetz brechen müssen.

Denn viele dieser Tiere stehen auf der Roten Liste für bedrohte Arten oder unterstehen dem Washingtoner Artenschutzabkommen (siehe Box) und dürfen gar nicht – oder nur unter strengsten Auflagen – gehandelt werden. Deshalb wechseln viele Tiere unter der Hand den Besitzer. In grossem Stil in Deutschland, wie das Magazin «Der Spiegel» berichtet.

Wachsendes Interesse

Doch auch in der Schweiz ist der Schmuggel von Reptilien ein Thema. «Mit steigender Tendenz», sagt Mathias Lörtscher, Leiter Artenschutz beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV. Seit der Vogelgrippe 2003 hätten sich viele Wildtierliebhaber spürbar von Vögeln abgewendet und konzentrierten sich seither auf Reptilien.

«Die aufgedeckten Schmuggelversuche von Cites-geschützten Waren (Pflanzen und Tieren, die Red.) haben zugenommen», sagt Attila Lardori vom Schweizer Zoll: Meldete dieser 2011 noch 867 Beanstandungen, waren es 2013 mit 1023 schon deutlich mehr. Vorsätzliche Schmuggelfälle liegen laut Lörtscher jedoch unter 100. Verabredet werden die Transaktionen vor allem online.

Hohe, gerechte Strafen

Im Kampf gegen den illegalen Handel mit exotischen Reptilien arbeiten die Experten von BLV und Zoll eng zusammen. Erstere prüfen, ob die offiziellen Einfuhranträge die Cites-Kriterien erfüllen, und stellen im besten Fall Bewilligungen aus. «Die Kollegen vom Zoll hingegen sind unsere Augen an den Grenzen. Ihre Aufgabe ist es, illegale Aktionen festzustellen», so Lörtscher.

Wer erwischt wird, muss mit einer hohen Strafe rechnen. «Die richtet sich einerseits nach der geschmuggelten Menge, andererseits nach dem Schutzstatus», erklärt der Artenschutz-Experte. Je nachdem droht eine Busse von bis zu 40'000 Franken, eine Geldstrafe von bis zu 1'000'000 Franken und drei Jahren Haft.

Das mögliche Strafmass hält Lörtscher für gerechtfertigt. Schliesslich ist der Handel mit geschützten Tieren für die Schmuggler äusserst lukrativ: Ein für die Zucht geeignetes Papageienpaar könne bis zu 180'000 Franken einbringen. «In gewissen Ländern ist der Reptilienschmuggel ein wahrer Wirtschaftszweig», so der Experte. Dabei seien Hintermänner wie Sammler zum Teil so skrupellos, dass soeben entdeckte Arten schon nach kurzer Zeit vom Aussterben bedroht sind.

Das Washingtoner Artenschutzabkommen Cites

1973 wurde in Washington das «Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen» (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora) ins Leben gerufen. Das Ziel: Regelung und Kontrolle des internationalen Handels mit gefährdeten oder potenziell gefährdeten Tier- und Pflanzenarten sowie deren Produkten. Zudem soll der Schmuggel reduziert werden. Heute sind mehr als 30'000 Arten geschützt.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.