Gewaltig übertrieben: Kaum Hooligans in der Hooligan-Datenbank
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Gewaltig übertriebenKaum Hooligans in der Hooligan-Datenbank

In der Datenbank «Hoogan» sind weit mehr Gewalttäter erfasst, als es der Situation entspricht. Regelmässig werden auch Unschuldige gespeichert. Dennoch fordern Politiker schärfere Massnahmen.

von
bee
Nicht alle Fans, die in der Hooligan-Datenbank eingetragen sind, verhalten sich gewalttätig.

Nicht alle Fans, die in der Hooligan-Datenbank eingetragen sind, verhalten sich gewalttätig.

Ende Januar waren 1294 Personen in der Hooligan-Datenbank Hoogan gespeichert, 100 Sportfans mehr als noch vor zwei Jahren. Einen Eintrag im Register erhält, wer sich im Umfeld von Sportveranstaltungen gewalttätig verhält. Doch sind wirklich alles randalierende Chaoten, die ins Hoogan eingetragen werden?

Wie der «Beobachter» in seiner aktuellen Ausgabe schreibt, dürfte die Zahl der wahren Gewalttäter weit kleiner sein als die 1294 in der Datenbank registrierten. Der Grund: Gespeichert werden Personen, gegen die wegen gewalttätigen Verhaltens eine Massnahme wie Stadion- oder Rayonverbot ausgesprochen wird. Nach Ablauf einer solchen Massnahme bleiben sie noch drei Jahre registriert. Aktuell laufende Massnahmen bestehen bloss gegen 519 Personen, gab das Bundesamt für Polizei (Fedpol) bekannt.

Aber auch diese Leute müssen nicht unbedingt Gewalttäter sein. Immer mehr Massnahmen werden wegen Bagatelldelikten wie Beschimpfungen, Tätlichkeiten oder einem Verstoss gegen das Vermummungsverbot ausgesprochen. Und selbst Fans, die sich nichts zu Schulden kommen lassen, können in Hoogan landen. «Regelmässig werden Unschuldige in der Datenbank gespeichert», sagt Anwältin Manuela Schiller, die bei Gerichtsprozessen oft Fans vertritt, dem «Beobachter».

Unschuldsvermutung gilt nicht

Anders als im Strafrecht muss ein in Hoogan Registrierter seine Unschuld beweisen, die Unschuldsvermutung gilt hier nicht. Erst dann kann er gelöscht werden. Und die Hürde für einen Eintrag ist tief: Für ein Rayon- oder Stadtionverbot reicht eine «glaubwürdige Aussage», sei es durch die Polizei, Sicherheitspersonal oder Sportvereine.

Und selbst ein Freispruch in einem Strafverfahren führt nicht zwangsläufig zu einer Löschung eines Eintrags. Langwierige Prozesse wären die Folge. Doch viele Beschuldigte könnten sich ein entsprechendes Gerichtsverfahren gar nicht leisten, sagt Schiller gegenüber dem «Beobachter».

Trotz stetig steigender Zuschauerzahlen, bleibt die Anzahl der Delikte mit physischer Gewalt im Stadion, also Körperverletzungen, im Vergleich zu vor zwei Jahren praktisch unverändert tief. Sachbeschädigungen sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte sind sogar zurückgegangen. Die meisten Massnahmen werden wegen Verstössen gegen das Sprengstoffgesetz – also wegen sogenannter Pyros – verhängt. Doch auch wenn die Gewalt an Sportveranstaltungen offenbar nicht zunimmt, fordern viele Politiker eine Verschärfung des «Konkordats über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen».

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