Entlassungen: Kaum Jobchancen für die Generation Ü-50
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EntlassungenKaum Jobchancen für die Generation Ü-50

Arbeitnehmer über 50 Jahre werden in der Schweiz übermässig oft entlassen. Hauptursache ist die Globalisierung: Die Unternehmen stellen lieber jüngere Leute aus dem Ausland ein.

von
pbl
Auf den Arbeitsämtern melden sich immer mehr ältere Menschen.

Auf den Arbeitsämtern melden sich immer mehr ältere Menschen.

Ältere Menschen seien auf dem Arbeitsmarkt zunehmend gefragt, hiess es in den letzten Jahren oft. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Im vergangenen Jahr betrafen 41 Prozent aller Kündigungen in der Schweiz Arbeitnehmer über 50 Jahre. Dies berichtete die «NZZ am Sonntag» unter Berufung auf die weltgrösste Outplacement-Firma Lee Hecht Harrison (LHH). Sie waren damit übermässig stark betroffen von der Restrukturierungswelle 2012, denn ihr Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung beträgt nur gut 30 Prozent.

«Die Jobsuche für über 50-Jährige ist schon länger kein Honigschlecken», sagte Pascal Scheiwiller, Geschäftsleiter Schweiz von LHH. «Neu ist, dass sie auch überproportional häufig entlassen werden.» Hauptursache für die zunehmenden Schwierigkeiten der über 50-Jährigen im Arbeitsmarkt ist die Globalisierung. Schweizer Unternehmen haben heute weniger Hemmungen, ältere Mitarbeiter durch jüngere aus dem Ausland zu ersetzen. «Das ist die Schattenseite des globalisierten Arbeitsmarktes», sagte Scheiwiller.

Dossiers landen im Shredder

«Firmen investieren oft lieber in junge als in ältere Mitarbeiter. Das ist aus ihrer Sicht interessanter», beobachtet auch der Basler Arbeitsmarkt-Professor George Sheldon gemäss «NZZ am Sonntag». Bis vor kurzem war die Gefahr, in der Schweiz im Alter entlassen zu werden, eher klein. Bei den Langzeitarbeitslosen jedoch zeigt sich die Verschlechterung der Situation bereits: Während 23 Prozent aller Arbeitslosen über 50 Jahre alt sind, liegt der Anteil der Ü-50 an den Langzeitarbeitslosen (über ein Jahr) bereits bei 41 Prozent.

Laut dem Personaldienstleister Adecco stellt nur ein Drittel aller Schweizer Firmen noch regelmässig Leute über 50 ein. Bei vielen Personalverantwortlichen landen Dossiers mit Jahrgang 1963 und tiefer direkt im Schredder. Der neue Trend widerspricht den Sonntagspredigten der Politiker, die Überalterung erhöhe die Chancen der älteren Semester auf dem Stellenmarkt. Die Globalisierung bewirke viel eher, dass man zunehmend auf die Generation 50+ verzichte, heisst es in der «NZZ am Sonntag».

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