Aktualisiert 06.02.2014 17:12

Olympische Spiele

Kaum Kontrollen trotz Gefahr aus der Zahnpasta

Trotz Terrorwarnung der USA: Die Sicherheitsvorkehrungen an russischen Flughäfen sind lasch. Journalisten und Olympia-Besucher wurden kaum kontrolliert.

von
Thomas Körbel, Andreas Schwitzer

Unmittelbar vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi geraten die Sicherheitsvorkehrungen an russischen Flughäfen immer mehr ins Visier. Trotz eines kompletten Verbots zur Mitnahme von Flüssigkeiten und Warnungen der USA blieben die Kontrollen vielerorts lax. Es wird befürchtet, dass Terroristen versuchen könnten, Sprengstoff in Zahnpastatuben in Flugzeuge zu schmuggeln.

Sechs Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AP, die am Donnerstag aus verschiedenen Teilen der Welt in Moskau ankamen oder von dort losflogen, mussten ihre Zahnpasten und andere Flüssigkeiten nicht aus ihrem Handgepäck nehmen. Und auch andere Fluggäste berichteten, dass sie bei ihrer Reise nach Sotschi kaum vom Sicherheitspersonal an russischen Flughäfen kontrolliert worden sein.

Russen haben keine Information über Zahnpasta-Bomber

Für alle Flüge von russischen Flughäfen und auch für Transitpassagiere gilt von Januar bis April ein Verbot der Mitnahme von Flüssigkeiten. Es sei aber Sache der einzelnen Flughäfen, es auch umzusetzen, sagte eine Sprecherin des russischen Transportministeriums.

Das US-Heimatschutzministerium hatte am Mittwoch Fluggesellschaften gewarnt, dass Terroristen mit in Zahnpastatuben verstecktem Sprengstoff Flugzeuge in der Luft sprengen oder am Flughafen in Sotschi eine Explosion verursachen könnten. Der russische Vizeministerpräsident Dmitri Kosak wollte sich dazu nicht äussern. «Ich habe im Moment keine Reaktion darauf. Wir überprüfen diese Information», sagte Kosak an einer Pressekonferenz im Olympischen Park. Er betonte, Russland könne die Sicherheit der Besucher genauso gut garantieren wie jede andere Regierung.

USA schickten zwei Kriegsschiffe

Zum Schutz der Spiele wurden massive Sicherheitsvorkehrungen getroffen, Zehntausende Soldaten und Polizisten mobilisiert und Kampfflugzeuge in Bereitschaft gebracht. Präsident Wladimir Putin rechtfertigte die Massnahmen unter anderem mit den Anschlägen auf den Marathonlauf in Boston vor gut einem Jahr. Auch die USA schickten zwei Kriegsschiffe ins Schwarze Meer, um bei einem Notfall einsatzbereit zu sein.

Das Flüssigkeitsverbot wird an Bahnstationen in und um Sotschi offenbar weitaus genauer eingehalten als an Flughäfen. Ein AP-Reporter wurde in Krasnaja Poljana, einem der Austragungsorte, mit einer Tube Schuhcreme aufgehalten und gebeten, sie auf seinen Schuh zu reiben. Ein anderer musste seine Wasserflasche in Sotschi abgeben und überprüfen lassen, bevor er den Zug betreten durfte.

Ban Ki-moon fordert Waffenruhe während der Spiele

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon mahnte vor Beginn der Spiele einen «olympischen Frieden» an. Für die Zeit der Winterolympiade sollten die Konfliktparteien rund um die Welt die Waffen ruhen lassen, sagte er bei einer Rede am Donnerstag vor dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

«Ich wiederhole meinen Aufruf immer wieder an alle kämpfenden Parteien, dass sie ihre Waffen während der Spiele ruhen lassen», sagte Ban. Explizit nannte er die Konflikte in Syrien, im Südsudan und in der Zentralafrikanischen Republik. Eine Waffenruhe würde die Versorgung der notleidenden Menschen mit humanitärer Hilfe ermöglichen.

Schuh- und Unterhosenbomber

Immer wieder versuchen Terroristen, Sprengstoff in Flugzeuge zu schmuggeln. So zum Beispiel in Jahr 2009 in Unterhosen. Der Anschlag auf ein US-Flugzeugs durch den so genannten Unterhosen-Bomber scheiterte jedoch. Auch in einem Schuh wurde schon Sprengstoff versteckt. So versuchte der Brite Richard Reid im Jahr 2001 ebenfalls ein US-Flugzeug zum Absturz zu bringen. Auch ihm gelang dies nicht. Reid wurde von Passagieren überwältigt, nachdem sie gesehen hatten, wie eine Zündschnur aus seinem Schuh herausragte. (bat)

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