Mensch und Neandertaler : Kaum Mischlingskinder in der Steinzeit

Aktualisiert

Mensch und Neandertaler Kaum Mischlingskinder in der Steinzeit

Die modernen Menschen und die Neandertaler lebten für mindestens 10 000 Jahre in den gleichen Gebieten. Und trotzdem waren erfolgreiche Paarungen zwischen ihnen äusserst selten.

Ein rekonstruiertes Neandertaler-Skelett (Vordergrund) und das eines modernen Menschen.

Ein rekonstruiertes Neandertaler-Skelett (Vordergrund) und das eines modernen Menschen.

Genanalysen haben kürzlich gezeigt, dass wir zwei bis drei Prozent unseres Erbguts vom Neandertaler geerbt haben, wie das Schweizer Institut für Bioinformatik und die Universitäten Bern und Genf in einem gemeinsamen Communiqué schreiben. Doch wo, wann und wie oft sind Kreuzungen zwischen den beiden Arten entstanden?

Um diesen Fragen nachzugehen, erstellten Laurent Excoffier und Mathias Currat (Uni Genf) ein Informatikmodell. Damit simulierten sie, wo die Mischungen stattgefunden haben könnten und wie häufig sie sein mussten, um die in unseren Genen beobachteten Neandertaler-Erbstücke erklären zu können.

Tiefe «Erfolgsrate»

Anthropologen gehen davon aus, dass der moderne Mensch (Homo sapiens) vor etwa 40 000 bis 50 000 Jahren auf den Neandertaler traf, nachdem er aus Afrika ausgewandert war, um Europa und Asien zu besiedeln. Der Neandertaler, der Afrika schon früher verlassen hatte, lebte noch etwa bis vor 30 000 Jahren im selben Gebiet und starb dann aus.

Basierend auf Erbgutproben von Menschen aus Frankreich und China spielten Excoffier und Currat zahlreiche Szenarien des Aufeinandertreffens durch. Sie berücksichtigten zum Beispiel verschiedene Bevölkerungsdichten, Wachstumsraten und Ausbreitungsgeschwindigkeiten der Populationen.

In den meisten Szenarien zeigte sich, dass Vermischungen zwischen Mensch und Neandertaler sehr selten sein mussten. Die Erfolgsrate für Kreuzungen lag unter 2 Prozent, wie die Forscher im Fachblatt «PNAS» berichten. «Ohne diese starken Reproduktionseinschränkungen wären wir heute alle Neandertaler», wird Excoffier im Communiqué zitiert.

Aus dem Weg gegangen?

Was genau die Vermischung zwischen Mensch und Neandertaler verhinderte, bleibt aber unklar. Die Wissenschaftler haben zwei Vermutungen: Zum einen könnten beide Spezies einander aus dem Weg gegangen sein. Zum andern war vielleicht die Fortpflanzungs- oder Lebensfähigkeit der Neandertaler-Mensch-Nachkommen stark eingeschränkt.

Die Studie liefert auch eine neue Erklärung für die Beobachtung, dass Menschen in Europa und Asien ähnlich viel Neandertaler-Erbgut in ihrem Genom aufweisen. Laut Excoffier und Currat gab es nämlich nicht nur in Europa und dem Nahen Osten einzelne Kreuzungen, sondern auch im Altai-Gebirge nördlich des Himalayas.

Einige dieser mittelasiatischen Vermischungen ereigneten sich wohl erst, nachdem sich der moderne Mensch in einen europäischen und einen asiatischen Stamm aufgeteilt hatte. Stimmt dies, müssten Asiaten und Europäer von den Neandertalern zwar ähnlich viele, aber unterschiedliche Gene geerbt haben. (sda)

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