Pfingstweidstrasse 60: Kaum parkiert, schon gebüsst
Aktualisiert

Pfingstweidstrasse 60Kaum parkiert, schon gebüsst

Digitec warnt vor den Kontrollen vor ihrem Shop in Zürich. Verantwortlich für das eiserne Regime: die Funkwache AG. Ein Leser-Reporter wittert Abzocke.

von
Amir Mustedanagic
1 / 12
Die Funkwache AG verlangt von Parksündern 80 Franken Umtriebsentschädigung. Die Privatfirma bewegt sich damit rechtlich auf schwierigem Terrain. Das Bundesgericht legte 2004 eine Entschädigung von rund 30 Franken fest.

Die Funkwache AG verlangt von Parksündern 80 Franken Umtriebsentschädigung. Die Privatfirma bewegt sich damit rechtlich auf schwierigem Terrain. Das Bundesgericht legte 2004 eine Entschädigung von rund 30 Franken fest.

zVg
Die Funkwache verlangt aber bereits für das Ausfüllen der Rechnung durch einen Mitarbeiter 20 Franken - nur zwei Franken weniger als der Stundenlohn des Kontrolleurs.

Die Funkwache verlangt aber bereits für das Ausfüllen der Rechnung durch einen Mitarbeiter 20 Franken - nur zwei Franken weniger als der Stundenlohn des Kontrolleurs.

zVg
Hinzu kommen zahlreiche weitere Kosten, welche jedem Parksünder verrechnet werden.

Hinzu kommen zahlreiche weitere Kosten, welche jedem Parksünder verrechnet werden.

zVg

Er war bequem. Statt ins Parkhaus an der Pfingstweidstrasse 60 zu fahren, hat Stefan Müller (Name geändert) falsch parkiert. Er hat seinen Wagen neben die fünf Parkplätze vor dem Digitec-Shop in Zürich gestellt und damit eindeutig die Regeln auf dem Privatareal missachtet. Er hatte kaum die Türe des Computerladens durchschritten, als ein Kontrolleur der Funkwache AG schon an seinem Auto stand und ihn büsste. «Die 80 Franken ärgern mich nicht», sagt der Leser-Reporter, «viel schlimmer finde ich die Art und Weise der Kontrolle.» Der Kontrolleur hat sich für Müller richtiggehend auf die Lauer gelegt, um Parksünder zu erwischen.

Tatsächlich ist der Leser-Reporter nicht der Einzige, der diesen Eindruck an der Pfingstweidstrasse 60 gewann. Wer im Internet sucht, der findet zahlreiche Beispiele von verärgerten Digitec-Besuchern: Eine Person schreibt beispielsweise, dass sie gebüsst wurde, weil sie ihr Auto eine Minute über die bezahlte Parkzeit stehen liess. Ein anderer beobachtete, wie die Funkwache AG sündige Besucher gleich «reihenweise büsste». Digitec-Besucher und Stefan Müller glauben deshalb, dass die Funkwache AG die Parkplätze geradezu «systematisch bewirtschaftet».

Grund dazu gäbe es schon: Die Funkwache AG kontrolliert nach eigenen Angaben die Parkplätze kostenlos, sackt aber die Bussen ein – beziehungsweise die Umtriebsentschädigungen, wie es bei audienzrichterlichen Parkverboten heisst. «Für mich stinkt das nach Parkplatz-Abzocke», sagt Müller.

Digitec hat sich bei Verwaltung beklagt

Das eiserne Regime der Funkwache AG auf dem Parkplatz hat auch Digitec bemerkt. Der Computerdiscounter mahnt längst seine Kunden explizit zur Vorsicht und empfiehlt die umliegenden Parkhäuser, wie das Leser-Bild oben zeigt. Dennoch gibt es reihenweise Beschwerden gegen die Funkwache AG und ihre Parkbussen. «Nicht nur die Höhe der Bussen scheint uns ungerechtfertigt, sondern auch der unfreundliche Auftritt, von welchem uns unsere Kunden schon unzählige Male berichtet haben», schreibt Digitec-Sprecherin Stefanie Hynek auf Anfrage von 20 Minuten Online. Digitec hat auch das Gespräch mit der Verwaltung gesucht, an der Situation habe sich aber nichts geändert.

Die Funkwache AG tut die Kritik im Stil des Spruchs «wo gehobelt wird, fallen auch Späne» ab. Niemand sei froh, wenn er eine Busse erhalte, sagt Geschäftsführer Meinhard Byell. «Die Leute suchen deshalb nach einer Ausrede für ihren Fehler und die finden sie bei uns.» Die Funkwache könne keine Bussen ausstellen, wenn es keine Falschparkierer gebe. «Ausserdem kann jeder Einspruch gegen die Umtriebsentschädigung erheben», sagt Byell. Sein Unternehme halte sich streng an die gesetzlichen Vorschriften und mache «nichts falsch». «Im Gegenteil», findet der Geschäftsführer. Er habe seine Kontrolleure angewiesen, bei abgelaufenen Parkuhren eine Toleranz von 15 Minuten zu gewähren – «wie das der Eigentümer der Liegenschaft will». Weder die Immobiliengesellschaft aus Deutschland noch die Verwaltung in der Schweiz möchte sich allerdings zum Thema äussern.

Funkwache: «Müssen auch Gewinn erwirtschaften»

Die Höhe der Busse (50 Franken bei kleineren Verstössen, 80 Franken bei gröberen) ist deshalb auch angesichts der wiederkehrenden Parking-Probleme kein Diskussionsthema. Byell findet sie gerechtfertigt: Er müsse ja schliesslich Mitarbeiter bezahlen. Wie oft er kontrollieren lässt, wie viele Bussen die Angestellten ausschreiben und was sie dafür erhalten, will er allerdings nicht sagen – «Geschäftsgeheimnis». Eine Reduktion der Umtriebsentschädigungen sei aber so oder so kein Thema. «Wie jedes Unternehmen», sagt Byell, «muss die Funkwache einen Gewinn erwirtschaften.»

Ihre Erfahrungen

Hinweise, Anregungen oder ähnliche Erlebnisse? Schreiben Sie uns: feedback@20minuten.ch

Deine Meinung