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Fecht-WMKauter gewinnt die Bronzemedaille

Fabian Kauter schreibt Geschichte: Der Berner ist der erste Fechter, der zwei Einzel-WM-Medaillen für die Schweiz gewinnt. Erst im Halbfinal wird er von Olympiasieger Ruben Limardo gestoppt (7:15).

Insgesamt gewannen die Schweizer Degenfechter bislang neun Einzel-WM-Medaillen. Gleich zwei aus dieser Bilanz stammen nun von Fabian Kauter. Zwei Einzel-WM-Medaillen für die Schweiz hat vor Fabian Kauter noch kein anderer Fechter geholt. Der ehemalige Weltranglisten-Erste gewann vor zwei Jahren an den WM in Catania mit Bronze seine erste Einzel-WM-Medaille. Zudem holte Kauter damals auf Sizilien noch Bronze mit dem Team. Daneben ist er unter anderem dreifacher Mannschafts-Europameister (2004, 2012, 2013).

Mit dem jüngsten Erfolg am Saisonhöhepunkt gab Fabian Kauter eine starke Antwort auf sein verpatztes Olympia-Abenteuer vom Vorjahr in London (Ausscheiden im ersten Gefecht. «Eigentlich habe ich die ganze Saison hindurch mit Ausnahme von den Weltcupturnieren in Heidenheim und in Paris sehr gut gefochten und bin immer besser geworden.»

Fabian Kauter hatte einen optimalen Start in den WM-Finaltag im Degen-Einzel erwischt und seine ersten drei Gefechte gegen Dimitri Grjazwnow (Kas), Robin Kase (Sd) und Niko Vuorinen (Fi) ohne Zitterspiel (15:12, 15:10, 15:6) erfolgreich gestaltet. In den Viertelfinals setzte sich Kauter dann mit 10:8 gegen den Polen Radoslaw Zawrotniak durch. «Ich bin ein Frühaufsteher und fühlte mich schon im ersten Gefecht ab 8.30 Uhr sehr gut. Doch die Pause von gut fünf Stunden zwischen dem Viertel- und den Halbfinals am Nachmittag konnte ich sehr gut gebrauchen, denn die Gegner verlangten mir alles ab.» Früher hatte Fabian Kauter noch Mühe mit dem Auftaktgegner bekundet. Öfter als ihm lieb war, bildete für ihn die erste Hürde ein Stolperstein. Nahm Fabian Kauter erst einmal Fahrt auf, war er indes kaum mehr zu bremsen.

Erste Touche von Limardo vorentscheidend

Der vor dem WM-Einzel als Weltnummer 6 geführte Fabian Kauter musste sich in Budapest erst in den Halbfinals Olympiasieger Ruben Limardo (Ven) mit 7:15 geschlagen geben. «Ich hatte ihn viel offensiver erwartet - auch nach Eindrücken aus anderen Gefechten in Budapest von ihm. Doch Limardo verhielt sich sehr zurückhaltend und agierte kaltblütig. Er verfügt natürlich über ein riesiges Repertoire, doch ein oder zwei Aktionen reichten am Ende aus, um mich zu bezwingen», sagte Fabian Kauter. Der Berner reflektierte, dass er der ersten Touche wohl unbewusst eine zu grosse Bedeutung beigemessen hatte, «weil ich das Gefühl des Rückstandes in den ersten Gefechten nicht gekannt hatte.»

Anschliessend sei es in einem Duell zweier defensiv so versierter Fechter für ihn schwierig geworden, noch die Wende zu realisieren. Der Respekt zwischen den beiden, die im Einzel auf Elite-Ebene in einem K.o.-Gefecht bislang noch nie aufeinandergetroffen waren, war offensichtlich. Beide begannen das Gefecht so zurückhaltend, dass der Schiedsrichter das erste Gefechtsdrittel wegen Passivität beim Stande von 0:0 vorzeitig abbrach und ohne Pause im zweiten Gefechtsdrittel weitergefochten werden musste.

Limardo zog auf 13:5 davon

Limardo zog zunächst auf 4:2 und später auf 8:4 und schliesslich auf 13:5 davon. In der einzigen Pause vor dem letzten Gefechtsdrittel hatte Nationaltrainer Angelo Mazzoni seinen Schützling vergeblich aufgefordert, anzugreifen und Treffer zu suchen. Kauter: «Ich fand den dafür notwendigen Rhythmus nicht. Und Limardo liess auch kaum etwas zu.» Kauters Teamkollege, der in den Sechzehntelfinals gescheiterte Weltranglisten-Zweite Max Heinzer, hatte die Siegchancen für Kauter gegen Limardo vor dem Gefecht auf 50 Prozent beziffert. Heinzer selbst war bei Olympia in London vor einem Jahr in den Achtelfinals dem nachmaligen Olympiasieger unterlegen.

Im Teamwettbewerb vom Sonntag kann Fabian Kauter ein weiteres Kapitel Schweizer Fechtgeschichte mitschreiben. Denn das Ziel von Fabian Kauter, Heinzer, Benjamin Steffen und Florian Staub ist der Gewinn des ersten Team-WM-Titels bei der Elite für die Schweiz. Nach zwei EM-Titeln und drei Weltcupturniersiegen in den letzten 14 Monaten sowie der aktuellen Weltranglisten-Position 1 ist schliesslich kein Grund für Understatement oder aufgesetzte Bescheidenheit vorhanden.

Heinzer enttäuscht

Früh ausgeschieden ist dagegen Max Heinzer. Die Weltnummer 2 stand schon in der ersten Runde gegen den Rumänen Alexandru Nyisztor beim Stand von 13:14 einen Gegentreffervor dem Aus. Doch Heinzer konnte sich aus der misslichen Lage gerade noch befreien. Im zweiten Gefecht musste er sich schliesslich dem Deutschen Falk Spautz 13:15 geschalgen geben.

Ebenfalls die Koffer packen muss Benjamin Steffen, der am Dienstag erfolgreich die Qualifikation überstanden hatte. Er scheiterte in der ersten Rund am Spanier Yulen Periera. Auch Tiffany Géroudet, der Weltnummer 11, gelang kein Exploit. Die Europameisterin von 2011 blieb nach einem Auftakterfolg gegen Olena Kriwza (Ukr/13:12) in den Sechzehntelfinals auf der Strecke. Géroudet unterlag der Weltnummer 69 aus Estland, Julja Beljajewa, mit 12:14. (si)

Da ist Fabian Kauter

Wohnort Bern. - Geboren am 22. September 1985; Vater Christian Kauter (Team-Olympiamedaillengewinner 1972, Silber, und 1976, Bronze. Bruder (u.a.) Michael Kauter, Olympia-Achtelfinalist 2008. - Beruf: Zeitsoldat (zu 50 Prozent beim VBS angestellt). - Hobbies (u.a.): Musiker, Mitinitiator der Crowdfunding-Plattform www.ibelieveinyou.ch (ermöglicht Athleten, Klubs und Veranstaltern das Sammeln von Mikrospenden). - Wichtigste Erfolge: WM-Dritter 2011 Einzel und Team. - WM-Dritter 2013. - Weltranglisten-Leader Einzel Früjhahr 2012, mit Schweizer Team Frühjahr Sommer/2013. - Mannschafts-Europameister 2004, 2012 und 2013. - Einzel-EM-Dritter 2007. - Siege an Weltcupturnieren. Einzel: 2 (Buenos Aires 2012, GP Stockholm 2011). - Team: 3 (Heidenheim 2012, Legnano und Buenos Aires 2013).

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