Kaviar auf Chips: Deshalb geht der Trend viral

Der Hashtag #caviarsnacks geht aktuell auf Tiktok viral. Gemeint ist Kaviar gepaart mit Chips oder Nachos. 

Der Hashtag #caviarsnacks geht aktuell auf Tiktok viral. Gemeint ist Kaviar gepaart mit Chips oder Nachos. 

Tiktok/Trinhdoesthings
Publiziert

Food-HypeKaviar wird jetzt mit Chips kombiniert

Das Luxuslebensmittel Kaviar gilt auf Tiktok aktuell als beliebter Snack – trotz hohem Preis. Wieso die Fischrogen so teuer sind und was hinter dem Trend steckt.

von
Luise Faupel

Normalerweise reiht sich Kaviar brav neben Austern, Trüffel und Champagner in die Sparte des Luxusfoods ein – als gern gesehener Gast auf Apéros der Reichen und Schönen. In letzter Zeit sehen wir die schwarzen oder orangefarbenen Perlen aber vermehrt als anspruchslosen Snack in Videos und Posts auf Tiktok oder Instagram.

Creators treiben es sogar so weit, dass sie das «schwarze Gold» einfach lässig zu Chips essen – der Hashtag #caviarsnacks verzeichnet etliche Aufrufe.

«Für mich ist das die Norm»

Userin @dzaslavsky ist Vorreiterin des Trends und spachtelt anlässlich neuer Followerzahlen teuren Kaviar auf Nachos, um damit sozusagen anzustossen. Bei ihr kommt das Produkt öfter zum Einsatz, was wohl damit zusammenhängt, dass ihre Familie das Unternehmen Marky’s Caviar betreibt.

Tiktok-Userin @dzaslavsky spachtelt Kaviar auf Nachos.

Tiktok-Userin @dzaslavsky spachtelt Kaviar auf Nachos.

Tiktok-Template / Claire Krieger/Taste of Home

«Ich bin ein Foodie und ich liebe Kaviar, deshalb bin ich extrem dankbar dafür, mit Kaviar aufgewachsen zu sein. Ich zeige hier einfach, was ich liebe und was für mich die Norm ist», so Danielle Matzen in einem ihrer Videos.

Die Sorten, die sie im Video empfiehlt, sind unter anderem persischer Beluga Imperial Kaviar von Cavian, auch bekannt unter dem Namen Kaluga, in den Varianten Amber und Gold. Produkte, die in der 30-Gramm-Ausführung bereits 95 Franken beziehungsweise 119 Franken kosten.  

Kaviar «Imperial Oscietra Gold» von Cavian, Fr. 119.– auf Cavian.ch.

Kaviar «Imperial Oscietra Gold» von Cavian, Fr. 119.– auf Cavian.ch.

Cavian.ch

Aber es geht noch teurer: Der iranische Beluga Kaviar Huso Huso von Malossol kostet satte 870 Franken für 100 Gramm. Die Dose mit 500 Gramm geht für 4200 Franken über den Tresen. Aber warum sind die Fischeier eigentlich so teuer?

Isst du gerne Kaviar?

Deshalb ist Kaviar so teuer

Als Kaviar bezeichnet man gesalzenen Fischrogen verschiedener Stör-Arten. Der Beluga («Huso Huso») ist der einzige Raubfisch unter den Stören und gehört zu den seltensten seiner Art. Die Kaviar-Ausbeute liegt bei nur circa 20 Prozent des Körpergewichts eines Fisches, der bis zu 300 Kilogramm schwer werden kann.

Der Iran ist über Jahrzehnte bereits für höchste Kaviar-Qualität bekannt und hat in den vergangenen Jahren eine Population an Belugastören heranwachsen lassen, weshalb er als einer der wenigen Produzenten Belugakaviar anbieten kann. 

Kaviar auf Häppchen gilt als beliebte Vorspeise – auch in der günstigen Variante. 

Kaviar auf Häppchen gilt als beliebte Vorspeise – auch in der günstigen Variante. 

Cottonbro / Pexels
Schwarzer Kaviar wird auch «schwarzes Gold» genannt.

Schwarzer Kaviar wird auch «schwarzes Gold» genannt.

Rachel Claire / Pexels
Auch auf Blinis und kleinen Pancakes kommt Kaviar zum Einsatz.

Auch auf Blinis und kleinen Pancakes kommt Kaviar zum Einsatz.

Anastasia Belouso / Pexels

Eigentlich ist Kaviar ein geschützter Begriff. Nach und nach wurde er aber allgemein für den Rogen von Lachs, Felchen, Forelle oder anderen Fischarten verwendet. Und so wird er auch nicht mehr nur von wohlhabenden Menschen, sondern auch Normalsterblichen gespeist.

Der Ursprung des Kaviar-Hypes

Das Food-Magazin «Eater» nennt den aktuellen Trend die «Snackifizierung von Kaviar». Vermutungen, woher der Trend kommt, gibts viele. Eine lautet, dass damit Sterneköchinnen und -köche auf Tiktok nachgeahmt werden: Ein Kartoffelchip, Crème Fraîche, etwas Kaviar und fertig ist die Luxus-Vorspeise.

Oder wollen wir einfach mal kurzzeitig den wünschenswerten Lebensstil einer berühmten Person leben? Klappt auch mit dem Kaviar-Martini: Hier wird ein Häufchen Kaviar auf den Handrücken gelegt, bevor der Martini geschlürft wird.

Der Kaviar-Hype auf Tiktok und Co. wird auch «Kaviar-Snackifizierung» genannt.

Der Kaviar-Hype auf Tiktok und Co. wird auch «Kaviar-Snackifizierung» genannt.

Screenshot Tiktok

Gerade in schwierigen Zeiten scheinen Luxuslebensmittel beliebter zu werden: Austern erlebten 2022 ein Comeback, Champagnerumsätze brachen teilweise Rekorde. Die politische und wirtschaftliche Lage passt dazu nicht. Neigen Menschen vor allem in dunklen Zeiten zum Protz?

Vielleicht ist der Trend in Zeiten von Inflation auch als ein «jetzt erst recht» zu deuten. Der «Lipstick-Index» beschreibt etwa, wie Frauen in Zeiten wirtschaftlicher Not immer noch kleine Luxusartikel, wie Lippenstift, kauften. Laut dem «Wallstreet Journal» ist dieser Lipstick-Index aktuell zurückgekehrt.

Vegetarischer Kaviar

Veggies und sich vegan ernährende Menschen machen um Kaviar einen grossen Bogen. Wer sich dennoch manchmal fragt, ob der Luxus nicht auch irgendwie anders stattfinden kann, kann diese vegetarischen Alternativen testen.

Kaviar-Alternative: Perlen aus Aceto balsamico di Modena IGP, von Sélection, Fr. 7.50 auf Migros.ch.

Kaviar-Alternative: Perlen aus Aceto balsamico di Modena IGP, von Sélection, Fr. 7.50 auf Migros.ch.

Migros
Kaviar-Alternative: Balsamico-Perlen von Giusti, Fr. 19.90, auf Biber.ch.

Kaviar-Alternative: Balsamico-Perlen von Giusti, Fr. 19.90, auf Biber.ch.

Biber.ch
Kaviar-Alternative: Kaviar des Feldes von FoodConnection GmbH Fr. 36.18, auf Thungourmet.ch.

Kaviar-Alternative: Kaviar des Feldes von FoodConnection GmbH Fr. 36.18, auf Thungourmet.ch.

thungourmet.ch

Balsamicokügelchen machen sich mindestens genauso gut auf der Apéroplatte und der «Kaviar des Feldes», den auch Koch Nenad Mlinarevic vom vegetarischen Restaurant Neue Taverne serviert, ist ebenso eine Kostprobe wert.

Hierbei handelt es sich um die Samen der Kochia-Scoparia-Pflanze. Sie gelten in Japan traditionell als Delikatesse und die Optik und auch die Konsistenz der gekochten und von den Schalen befreiten Samen sind dem echten Kaviar sehr ähnlich.

Wie stehst du zu Kaviar? Teile deine Meinung mit der Community!

Deine Meinung

39 Kommentare