Aktualisiert 07.06.2006 19:01

Keane: Nach Krise folgt starkes Album

Der Erfolg von Keanes Debüt «Hopes and Fears» übertraf wohl ihre kühnsten Hoffnungen. Trotzdem ist ihr neues Album «Under the Iron Sea» von Existenzängsten geprägt.

Sänger Tom Chaplin ahnte schon auf der letzten Tour: «Auch wenn der Erfolg einige alte Sorgen vergessen lässt, macht er nicht nur glücklich.» Tatsächlich machten Keane danach fast das, was Schweizer Bandhoffnungen in solchen Fällen zu tun pflegen: Man wollte sich auflösen.

Die Bandkrise findet sich auch in Titeln wie «A Bad Dream», «Put It Behind You Man» oder «Try Again». Jedenfalls, wenn man animmt, dass die besungene Liebe als Platzhalter für die Band dient. Wäre das eine Fehlinterpretation, so ist das bei Keane nicht mal unpassend. Wird die Band doch oft zu Unrecht in die Schmusepop-Ecke abgeschoben. «Ich fühle mich wie in einer Rock-inspirierten Gitarrenband», widerspricht Chaplin dem Softie-Image. Wer die Band live gesehen hat, gibt ihm Recht.

Geschwitzt wurde am 17. Mai auch im Berliner Kesselhaus, wo Keane ihr neues Album live vorstellten. Aufgefallen sind vor allem die verzerrten und bei der Single «Is It Any Wonder?» nach Roxette-Gitarre klingenden Sounds, die Tastenmann Tim Rice-Oxley seinen Geräten entlockt. Die etwas borstigeren Sounds von «Under the Iron Sea» werden allerdings geglättet von den Backingvocals, die Rice-Oxley und Schlagzeuger Richard Hughes neu intonieren. Und so verströmen Keane allen Querelen zum Trotz weiterhin süffige Harmonie mit einem Schuss schwelgerischer Melancholie.

Olivier Joliat

Keane «Under the Iron Sea» Island/Universal erscheint morgen Freitag.

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