Frankreich: Kebab-Knatsch um rechten Bürgermeister
Publiziert

FrankreichKebab-Knatsch um rechten Bürgermeister

Der Bürgermeister von Béziers wettert gegen Kebab-Stände in seiner Stadt. Neueröffnungen will er nicht zulassen. Der Schuss geht nach hinten los.

von
kle

Robert Ménard, der Bürgermeister von Béziers im Süden Frankreichs, ist eine umstrittene Figur: Offiziell gehört er nicht der rechtsextremen Partei Front National an, doch er wird von ihr unterstützt. Entsprechend will Robert Ménard in seiner Stadt keine Flüchtlinge aufnehmen oder die genaue Anzahl muslimischer Kinder in den Schulklassen abzählen lassen.

Jetzt ist Ménard wieder in die Schlagzeilen geraten: Der Bürgermeister erklärte vor einigen Tagen in einem Interview mit «France TV», dass er sich gegen die Neueröffnung von Kebab-Lokalen in seiner Stadt wehre. «Es gibt bereits viele Kebab-Stände in Béziers. Wir sind eine jüdisch-christliche Nation und Kebab hat halt nichts mit unserer Kultur zu tun. Also, wenn neue Läden im Stadtzentrum aufgehen wollen, werde ich ganz einfach Nein sagen.»

Ein Politiker im Wandel: Von ganz links bis ganz rechts

Die Reaktion der Bevölkerung kam umgehend: Der Pariser Kommunikationsberater Baptiste Fluzin schlug auf Facebook vor, ein Kebab-Festival zu organisieren – ausgerechnet in Béziers. Eine Idee, die bei den Franzosen offenbar grossen Anklang fand: Rund 50'000 Menschen nahmen die Einladung zum internationalen Event an, der voraussichtlich am 5. Mai 2016 stattfinden soll. Dabei sollen ausschliesslich Kebabs und Gyros serviert werden.

«Ich glaube, dumme Politiker verdienen es, ausgelacht zu werden», meint Fluzin gegenüber dem Sender BFMTV. Bürgermeister Ménard mache sich mit seinen Aussagen lächerlich und die Bevölkerung habe die Aufgabe, ihm «einen Spiegel vorzuhalten», statt schockiert zu reagieren.

Was dazu führte, dass Robert Ménard sich neuerdings so weit rechts positionierte, kann in Frankreich keiner so recht nachvollziehen: Der 62-Jährige stand in seinen jungen Jahren der kommunistischen Partei nahe. Einst ein renommierter Journalist, gründete Ménard 1985 die Organisation Reporter ohne Grenzen. Er blieb deren Leiter bis 2008. Vor rund 18 Monaten gewann er die Wahlen in Béziers für die Rechten.

Deine Meinung