«Kebab-Strafe» gegen Türken trifft vor allem die Kurden
Aktualisiert

«Kebab-Strafe» gegen Türken trifft vor allem die Kurden

Nach dem Spiel Türkei – Schweiz wurde zum Kebab-Boykott aufgerufen. Das trifft nicht nur unschuldige Türken: Die meisten Kebab-Verkäufer sind nämlich Kurden.

Abass Kurbany vom Kebab-Laden König Café & Imbiss in St. Gallen sitzt mit einem einzigen Gast im Lokal und betrachtet kopfschüttelnd ein Plakat. Darauf steht: «Aufruf zum Kebap-Boykott – Deutschland, wir kommen». Mails mit solchem und ähnlichem Inhalt werden momentan in der Schweiz herumgeschickt.

«Das macht mich traurig», sagt der 29-jährige irakische Kurde Kurbany. Solche Aktionen findet er rassistisch. Die Kebab-Verkäufer hätten sicher nichts mit den Vorfällen in Istanbul zu tun: «In St. Gallen werden nämlich fast alle Kebab-Läden von Kurden geführt», so Kurbany – und diese drückten die Daumen für die Schweiz. Auch Murat Karayilan vom Joker Grill schätzt, dass über 90 Prozent aller Kebab-Stände in der Schweiz in kurdischer Hand sind.

Als unfaire Propaganda bezeichnet Hakki Kosamam vom Schnell-Imbiss Hafen-Kebab in Rorschach den Boykott-Aufruf und hofft, dass es keine Verkaufseinbrüche gibt. Und Abass Kurbany, dessen Verkäufe gestern schleppend liefen, ruft die Schweizer auf: «Esst wieder Kebab!»

(feb)

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