Eskalation: Kebabkrieg - jetzt spricht das Opfer

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EskalationKebabkrieg - jetzt spricht das Opfer

Kebabverkäufer Sait M. wurde in Eschenbach SG vom Sohn eines Konkurrenten mit einem Messer verletzt. Er musste ins Spital geflogen werden. An seinem Lokal will er festhalten.

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sst/shu
Der Tatort in Eschenbach SG: Hier wurde der Türke Sait M. vom Sohn des albanischen Kebab-Konkurrenten niedergestochen.

Der Tatort in Eschenbach SG: Hier wurde der Türke Sait M. vom Sohn des albanischen Kebab-Konkurrenten niedergestochen.

Der Türke Sait M.* und der Albaner Pal P.* betreiben im kleinen Eschenbach in unmittelbarer Nähe je einen Kebab-Imbiss. Seit Wochen herrscht ein Kebab-Krieg, am Dienstagnachmittag ist der Streit ausgeartet.

Der 25-jährige Sohn des Albaners Pal P. bedrohte den 34-jährigen Türken Sait M. vor dessen Lokal. «Ich wollte die Polizei rufen, doch er schlug von hinten auf mich ein», sagt Sait M. am Mittwoch zu 20 Minuten Online. Dann habe der Angreifer ein langes Messer gezückt und auf ihn eingestochen. Nach dem Angriff verschwand der Sohn von Pal P. und der verletzte Sait M. musste mit der Rega ins Spital geflogen werden. Sait M. ist sichtlich gezeichnet vom Angriff: «Ich musste an vier Stellen genäht werden, meine Nase ist gebrochen und ich habe ein blaues Auge», sagt der Türke. Nur dank Medikamenten könne er die Schmerzen ertragen.

«Behörden hätten früher eingreifen sollen»

Die ausgerückte Kantonspolizei St. Gallen konnte den 25-jährigen Täter eine Stunde nach dem Vorfall in einer Wohnung in der Nähe des Tatortes festnehmen. Auch der Täter war durch den Streit leicht verletzt worden.

In der Gemeinde Eschenbach wundert sich indes niemand über die Eskalation des Streits. «Das war nur eine Frage der Zeit», sagt Anwohner Gery E.. Der Albaner Pal P. habe immer wieder versucht Sait M. die Gäste abzuwerben. Dabei sei er sehr aggressiv vorgegangen. Die Behörden hätten früher intervenieren sollen.

Sait M. und Pal P. sind sich erst seit wenigen Monaten spinnefeind. Sait M. war nämlich bis im letzten Sommer Angestellter des Albaners und führte dessen Kebablokal. Dann musste Sait M. gehen und eröffnete daraufhin in diesem April in unmittelbarer Nähe sein eigenes Takeaway. Laut Dorfbewohnern blieb das Lokal des Albaners Pal P. weitgehend leer, Sait M. hingegen konnte genügend Kunden um sich scharen.

Sait M. will weitermachen

Das hätte Pal P. nicht akzeptiert und den Türken seither wiederholt bedroht. Dass dessen Sohn nun den Konkurrenten angegriffen hat, erklären sich die Bewohner von Eschenbach mit der Rettung der Familienehre. Familie P. war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Trotz der Attacke will Kebabverkäufer Sait M. weiterhin in Eschenbach seine türkischen Spezialitäten verkaufen. «Ich muss ja auch mein Geld verdienen», sagt Sait M.. Zuerst wird er sich aber eine Erholungspause gönnen.

*Namen der Redaktion bekannt

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