Tigers wollen Kölliker: Kehrt der alte Fuchs ins Emmental zurück?
Aktualisiert

Tigers wollen KöllikerKehrt der alte Fuchs ins Emmental zurück?

Die SCL Tigers stehen nach dem Sturz ans Tabellenende unter Druck und forcieren die Reorganisation. Die Hockeylegende Köbi Kölliker hat ein Angebot für den Job als Sportchef.

von
Klaus Zaugg

Nach dem 4:5 gegen Ambri wunderten sich einige Zuschauer über die kleine Gruppe Männer, die sich oben auf der Plattform der Rollstuhl-Zuschauerplätze versammelten. Es sah von weitem aus, als wollte die bekannte Huttwiler Jodlergruppe «Steinmandli» nach der Niederlage einen Blues anstimmen. Wer jedoch genau hingesehen hat, erkannte, dass es eine spontane Zusammenkunft des Verwaltungsrates der SCL Tigers mit Geschäftsführer Ruedi Zesiger war.

Das Thema dieser spontanen Stehsitzung lag auf der Hand: Aufmerksamen Beobachtern war aufgefallen, dass sich Ruedi Zesiger während des Spiels gegen Ambri nicht mehr unten bei der Spielerbank aufgehalten und dass Köbi Kölliker in der VIP-Loge diniert und später das Spiel auf der Medientribune verfolgt hatte. Kölliker bestätigte, dass er gerne wieder ins Hockeygeschäft zurückkehren möchte. Denn das sei seine Leidenschaft. Er ist seit dem Ende der letzten Saison arbeitslos. Der Deutsche Eishockeybund (DEB) hatte seinen Vertrag als Nationaltrainer nach einem Jahr nicht verlängert. Die Verwaltungsräte dürften also ihren Geschäftsführer beauftrag haben, nun speditiv mit Jakob Kölliker zu verhandeln.

Kölliker kann schon in dieser Woche beginnen

Nimmt der ehemalige U20-Nationaltrainer die Offerte an, kann er noch diese Woche mit der Arbeit im Emmental beginnen. Jakob Kölliker ist der richtige Mann für den Job. Er kennt die Emmentaler nicht aus Gotthelf-Lektüre. Sondern aus jahrelanger Arbeit im Emmental: Nach der Entlassung von Paul André Cadieux übernahm er im Laufe der Saison 1996/97 den Job als Cheftrainer, führte die Langnauer im Frühjahr 1998 zurück in die NLA und schaffte mit der Mannschaft den Ligaerhalt im 7. Spiel der Liga-Qualifikation gegen Chur. Dann wurde er hauptamtlicher U20-Nationaltrainer und Assistent von Ralph Krueger. Auch bei seinem ersten Gastspiel im Emmental hiess der Geschäftsführer Ruedi Zesiger.

Die Bieler Hockeylegende (Meister 1978, 1981 und 1983) passt also in die Chemie des Unternehmens und er erfüllt eine zentrale Anforderung für den Job als Sportchef: Er kennt aus seiner langjährigen Tätigkeit als Junioren-Nationaltrainer die neue Spielergeneration. Er kann zudem seine Erfahrung in die Ausbildung und die Integration der eigenen Nachwuchsspieler in die NLA einbringen. Die Langnauer sind auf eigene Nachwuchsspieler und Transfers von Spielern angewiesen, deren Potenzial andere noch nicht erkannt oder übersehen haben. Zudem muss er nicht einmal zügeln, wenn er den Job in Langnau annimmt: Er lebt im Berner Vorort Rüfenacht.

Im Gotthelfland lässt sich das Geld nicht auftreiben

Kehrt Köbi Kölliker zu den SCL Tigers zurück, kann und muss sich Ruedi Zesiger ganz auf den Job als Geschäftsführer konzentrieren und seine Tätigkeit als Sportchef aufgeben. Seine wichtigste Aufgabe ist dann die Vermarktung des neuen Hockey-Tempels. Um langfristig in der NLA eine Rolle spielen zu können, müssen die Langnauer pro Saison brutto rund zwei Millionen Franken Mehrertrag erwirtschaften. Ruedi Zesiger ist als ehemaliger Grossrat, SVP-Kantonalpräsident und persönlicher Mitarbeiter der Bundesräte Samuel Schmid und Ueli Maurer im Bernbiet sehr gut vernetzt. Aber nun muss er die SCL Tigers national vermarkten. ? alleine lässt sich das Geld nicht auftreiben, um ein NLA-Hockeyunternehmen zu finanzieren. Das ist die ganz grosse Herausforderung für Ruedi Zesiger.

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