Taxifahrer-Mord Wetzikon: Kein «alles entscheidendes Fehlverhalten»
Aktualisiert

Taxifahrer-Mord WetzikonKein «alles entscheidendes Fehlverhalten»

Die Tötung eines Taxifahrers im September 2007 in Wetzikon ZH hat Folgen für die Zürcher Justiz: Bei der Anordnung von Fürsorgerischer Freiheitsentziehung (FFE) sollen Polizei, Amtsstellen und Ärzte künftig enger zusammenarbeiten.

Oberstaatsanwaltschaft und Obergericht haben am Donnerstag in Zürich 16 Empfehlungen zur besseren Zusammenarbeit von Polizei, Gerichten, Strafverfolgungsbehörden und Justizvollzug vorgestellt. Unter anderem sollen auch Gesetzesänderungen geprüft werden.

Der Bericht wurde in Auftrag gegeben, nachdem bekannt geworden war, dass der mutmassliche Täter nicht hätte auf freiem Fuss sein dürfen. Geklärt werden sollten insbesondere die Vorgänge vor der Tat vom 16. September 2007. Ein 53-jähriger Mann hatte damals einen 25-jährigen Taxifahrer mit einem Messerstich in den Hals getötet.

Das Bezirksgericht Uster und das Obergericht hatten gegen den Mann bereits 2004 eine stationäre Massnahme angeordnet, weil er versucht hatte, einen Polizisten zu töten. Im Mai 2005 wurde er bedingt entlassen.

Gestützt auf ein weiteres psychiatrisches Gutachten verfügte das Zürcher Obergericht im August 2007 Sicherheitshaft. Diese wurde jedoch nicht vollzogen, obwohl der Mann als gefährlich eingestuft worden war.

Kein entscheidendes Fehlverhalten

Obergericht und Obeerstaatsanwaltschaft kommen in ihrem Bericht zwar zum Schluss, dass verschiedene Fehler begangen und «diskutable Entscheide verschiedener Behörden und Instanzen» gefällt worden seien. «Das grosse und alles entscheidende Fehlverhalten» habe es aber nicht gegeben, heisst es in den Schlussfolgerungen.

Hingegen seien den beteiligten Behörden die genauen Aufgaben und Abläufe zu wenig bekannt gewesen. Jede Stelle habe sich mit Teilaspekten befasst und den Fall nach Abschluss weiter gegeben, ohne sich genügend darum zu kümmern, was danach geschehen sollte. Gefehlt habe «eine interdisziplinäre Sicht des Falles». (sda)

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