Kein Backenzahn von Opfer im Holocaust-Mahnmal
Aktualisiert

Kein Backenzahn von Opfer im Holocaust-Mahnmal

Die Jüdische Gemeinde Berlin hat heftig gegen den Vorschlag der Publizistin Lea Rosh protestiert, den Backenzahn eines Holocaust-Opfers in das Denkmal für die ermordeten Juden Europas einzulassen.

Das Mahnmal dürfe «kein Friedhof oder Reliquienschrein werden», erklärte der Gemeindevorsitzende Albert Meyer am Mittwoch in Berlin. Das Vorhaben der Mahnmal-Initiatorin bezeichnete er als «empörend» und aus jüdischer Sicht nicht akzeptabel. «Sollte dies geschehen, so müssen wir Juden überlegen, ob wir diesen Ort überhaupt betreten können», erklärte Meyer.

Bereits am Dienstag hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland, den Plan «pietätlos» und religiös fragwürdig genannt. Rosh (68) hatte bei der Einweihung am Dienstag angekündigt, den Backenzahn eines unbekannten jüdischen Opfers aus dem Vernichtungslager Belzec sowie einen gelben Stoffstern, den Juden in der Nazizeit tragen mussten, Platz in einer der 2711 Betonstelen des Mahnmals einzuräumen.

Der Stoffstern sei ihr von einer Frau in Amsterdam übergeben worden, deren Mutter in einem Vernichtungslager der Nazis umkam. Sie habe der Frau versprochen, dass der Stern einen würdigen Platz findet, sagte Rosh.

Rosh hält trotz der Kritik am Vorhaben fest. Sie habe mit dem Architekten Peter Eisenman, der auch Jude sei, den Plan abgesprochen, sagte die Publizistin der dpa. Viele Mahnmal-Besucher seien von ihrem Vorschlag sehr gerührt gewesen. Auch im einstigen Vernichtungslager Auschwitz würden Haare von Opfern gezeigt.

(sda)

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