Kreationsprozess : Kein Duft ohne Bilder
Aktualisiert

Kreationsprozess Kein Duft ohne Bilder

Bei der Herstellung von Parfum ist der Duft zunächst zweitrangig. Im Vordergrund stehen Bilder.

von
Fee Riebeling
Damit Parfums gut riechen, braucht es mehr als nur Aromen und Essenzen. (Bild: Istock)

Damit Parfums gut riechen, braucht es mehr als nur Aromen und Essenzen. (Bild: Istock)

Parfums sind mehr als nur Duft. Nebst den Essenzen spielen ebenso der Name, die Verpackung und auch die Werbung eine Rolle. Darum müssen für die Kreation eines Produkts viele verschiedene Fachleute zusammenfinden.

Wie diese trotz ihrer unterschiedlichen Hintergründe kommunizieren, hat Claus Noppeney von der Berner Fachhochschule am Beispiel des Zürcher Luxusduft-Labels Humiecki & Graef untersucht. Überraschend: «Der Duft, um den es letztlich geht, ist erstmal zweitrangig», so Noppeney. Stattdessen zeichneten die Verantwortlichen Bilder und stellen Collagen zusammen, die beim Betrachter Assoziationen hervorrufen und vorgeben, welche Stimmung das Parfum transportieren soll.

Auch Musiker und Literaten

«Die Bilder bringen Parfumeure, Verpackungsdesigner und Marketing-Strategen zusammen», hat Noppeney gemeinsam mit Designern und Organisationsforschern herausgefunden. Statt mit den Kollegen zu kommunizieren, beziehen sich die am Kreationsprozess Beteiligten auf die Collagen. So wird verhindert, dass sich die Experten gegenseitig beeinflussen. «Ziel ist ein Produkt, das die Handschrift aller Beteiligten trägt», so Noppeney.

Er schätzt, dass andere Duft-Hersteller ähnlich arbeiten. Schliesslich gehen Musiker und Literaten auch so vor. Auch das hat die Studie gezeigt.

«Sicily»

EU will vor Duftstoffen schützen

Die Liste der auf Parfums und Kosmetika deklarierten Inhaltsstoffe soll dreimal länger werden. So will es ein Ausschuss der EU. Die Experten haben über 100 Duftstoffe ausgemacht, die Allergien auslösen könnten. Diese sollen nun auf den Produkten aufgeführt werden – statt wie bisher bloss 26.

Am liebsten würden die Fachleute gewisse Zutaten gleich ganz verbieten. Betroffen wären auch Klassiker wie Chanel Nr. 5. «Bei einem Verbot müssten alte Parfums nach neuen Rezepturen hergestellt werden», sagt Peter Wullschleger von Hersteller Givaudan. «Ob das technisch machbar wäre, ist fraglich.» Noch wird in der EU über Kennzeichnung und Verbot verhandelt. Laut dem Bundesamt für Gesundheit würde die Schweiz die Regelung übernehmen.

(kla)

«Wissen»

in 20 Minuten wird unterstützt durch die GEBERT RÜF STIFTUNG und die Stiftung Mercator Schweiz.

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