Geteiltes Leid: «Kein Fernsehen, keine Zeitungen, nichts»
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Geteiltes Leid«Kein Fernsehen, keine Zeitungen, nichts»

Kurz vor dem Ziel kommen die Berner Sportklubs SCB und YB ins Stolpern. Selbst die Hauptstadt-Promis sind darob sprachlos. Existiert das Loser-Gen?

Noch sind Hopfen und Malz nicht verloren, noch können sowohl der SCB wie auch YB Meister werden.

Noch sind Hopfen und Malz nicht verloren, noch können sowohl der SCB wie auch YB Meister werden.

Die Berner Sportseele wird gerade arg strapaziert. Der SCB hat den Titel bereits zweimal nicht gewonnen, und die Felle von YB schwimmen auf der Aare langsam davon. Hat Bern das Loser-Gen?

Stadtpräsident Alexander Tschäppät ist nicht eben für seine zurückhaltende Art bekannt. Doch am Tag vor dem entscheidenden Spiel des SCB gegen Servette zeigt er sich wortkarg. Über seine Sprecherin lässt er ausrichten, er wolle der Hockey-Finalissima nicht vorgreifen und gebe keine Prognose ab. Zuversicht hört sich anders an. Doch die Worte fehlen nicht nur dem Stadtvater.

Büne ist erschöpft, Kuno hat keine Zeit

Sänger Büne Huber von Patent Ochsner kann nichts dazu sagen, er braucht eine Pause, weil er letztes Jahr auf Tour war und so viele Interviews gegeben hat. Züri-West-Sänger und Häberli-Fan Kuno Lauener hat heute keine Zeit, weil er gestern Plattentaufe hatte. Der Berner Kassensturz-Mann Ueli Schmetzer ist zu beschäftigt. Und selbst der dauerquasselnde Sven Epiney hatte keine Zeit für ein kurzes Statement. Die Berner scheinen nicht mehr an Bern zu glauben.

Renato Tosio, jahrelang Torhüter beim SC Bern, selbst aber Ostschweizer, hat die Sprache nicht verloren. Und vielleicht sogar die Erklärung, warum sich alle wortkarg geben. Gibt es dieses Loser-Gen in Bern? «Je mehr man das diskutiert, desto mehr redet man das herbei», sagt der Goalie. Tosio gibt dem SCB eine 50:50-Chance auf den Titel, die Young Boys hält er für hungriger. «Entscheidend ist, dass sie sich nur auf das Spiel fokussieren. Alles andere muss egal sein: Das Loser-Image, der Fakt, dass der SCB noch nie im eigenen Stadion Meister wurde und so weiter.» Was ist zu tun? «Der SCB sollte jetzt in Quarantäne gehen. Kein Fernsehen, keine Zeitungen, nichts.»

«Bern wird höchstens nicht gewinnen»

Auch Ralph Zloczower weiss: «Für beide Teams ist der Druck gross.» Das Berner Loser-Gen hält er für eine Etikette. Dann sagt der ehemalige Präsident des Schweizerischen Fussballverbands und der Berner Young Boys: «Sport ist halt so. Gewinnen kann nur einer.» Auch hier: Zuversicht hört sich anders an. Auf die Frage, ob er Angst habe, dass Bern beide Titel verliert, sagt Zloczower: «Verlieren tun sie ihn sowieso nicht, höchstens nicht gewinnen.»

Zuversicht versprüht dann doch noch ein Berner. «Es ist Schwachsinn, schon jetzt einen Abgesang auf die Berner Teams anzustimmen», sagt FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Er ist überzeugt, dass sowohl der SCB als auch YB trotz Nervenflattern das Double in die Hauptstadt holen. «Der SCB wird mit einem sauberen 3:2-Sieg Meister. Das Publikum schreit das Team zum Titel!», sagt der 28-Jährige, der seit Kindertagen SCB-Fan ist. Wasserfallen macht den Bernern Mut. Vielleicht liegts daran, dass er tagelang nicht in der Hauptstadt war. Er sass die letzten Tage in Südkorea fest und konnte wegen des Vulkan-Chaos nicht zurückfliegen. Die letzten Niederlagen des SCB kennt er wohl nur vom Hörensagen.

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