«Valkyrie»-Premiere: «Kein Film hat mich stärker herausgefordert»
Aktualisiert

«Valkyrie»-Premiere«Kein Film hat mich stärker herausgefordert»

Umjubelt von mehreren hundert Fans hat Hollywoodstar Tom Cruise am Dienstagabend seinen Thriller «Valkyrie» in Berlin präsentiert.

von
Oliver Baroni

«Ich glaube, kein Film, den ich je gemacht habe, hat mich stärker herausgefordert», sagt Tom Cruise und sieht ernst aus. Einerseits sei es darum gegangen, der Verantwortung gegenüber der Geschichte gerecht zu werden. Andererseits wollte man den Geist des Widerstands wiederaufleben lassen und dann noch der Welt ein Stück Unterhaltung bieten.

Der 46-Jährige präsentierte am Dienstag in Berlin bei der Europapremiere den bereits seit den Dreharbeiten vor anderthalb Jahren vieldiskutierten Thriller «Operation Walküre». In der Produktion von Bryan Singer (Kinostart: 22. Januar) spielt Cruise den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg.

Wirbel hatte vor allem die Frage ausgelöst, ob ein bekennender Scientologe wie Cruise den deutschen Helden spielen darf. Darauf ging Cruise, der zur Pressekonferenz leger gekleidet im schwarzen Poloshirt vor die Journalisten trat, nicht weiter ein. Für ihn sei es entscheidend, einen guten Film zu machen, betonte er mehrfach. «Ich bin dazu da, mein Publikum gefangenzunehmen und zu unterhalten.» Die Debatten habe er mitbekommen. Aber die Filmwelt sei das eine, das Drumherum das andere. Jedenfalls sei er in Deutschland immer gut behandelt worden.

«Diesen Moment werde ich nie vergessen»

Cruise mag das Thema nicht, das ist schnell zu merken. Viel lieber will er über seine Rolle sprechen. Zum Beispiel darüber, wie emotional die letzte Szene des Films für ihn war, als Stauffenberg am Bendlerblock, heute Sitz des Verteidigungsministeriums, exekutiert wird. «Diesen Moment werde ich nie vergessen. Wir fühlten uns sehr privilegiert, dort drehen zu können», sagte Cruise. Das zuständige Finanzministerium hatte im Juni 2007 zunächst die Drehgenehmigung verweigert, weil man die Würde des Ortes bedroht sah.

Durch den Film habe er einiges gelernt. «Als Kind wunderte ich mich, warum niemand versuchte, ihn (Hitler) zu stoppen», meinte Cruise. Jetzt verstehe er die Geschichte besser. «Keiner kannte die Geschichte zuvor und jetzt gibt es kraftvolle Diskussionen.»

Das allerbeste für Obama

In Stauffenberg kann sich der Filmstar (»Top Gun», Mission Imposibble», «Eyes Wide Shut») gut hineinversetzen. Er glaube, er selbst hätte Hitler auch töten wollen, sagte er.

Dass in Europa ein Film über einen Widerstandskämpfer just an dem Tag startet, an dem in den USA mit Barack Obama der erste schwarze Präsident sein Amt antritt, freute Cruise. «Ich bin sehr aufgeregt, was die Zukunft für unser Land bringen wird. Es ist ausserordentlich und historisch. Alle von uns wünschen unserem Präsidenten das aller, aller beste.»

Der Film «Operation Walküre» erzählt die Geschichte der Attentäter vom 20. Juli 1944. Sie wollten Hitler - sechs Wochen nach der Landung der Alliierten in der Normandie - mit einer Bombe töten und eine Übergangsregierung bilden. Ihren Plan des Regimewechsels, der scheiterte, nannten sie «Operation Walküre». Etwa 200 Menschen wurden von den Nazis im Zusammenhang mit dem Attentat hingerichtet.

Am Abend auf dem Roten Teppich vor dem Premierenkino im Sony-Center am Potsdamer Platz erschien auch Cruises Ehefrau Katie Holmes. Auch zugegen waren zahlreiche Familienmitglieder der Stauffenberg-Familie sowie auch deutsche Prominenz wie Julia Jentsch, Karoline Herfurth, Jan Josef Liefers, Jessica Schwarz und Tom Tykwer.

Die Familienangehörigen des Hitler-Attentäters äusserten sich zufrieden über die Verfilmung. Der Enkel von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Philipp von Schulthess, sagte der AP: «Ich fand ihn fabelhaft». Cruise spiele zwar nur einen kurzen Abschnitt im Leben seines Grossvaters, aber diesen sehr gut, erklärte der 36-Jährige, der in einer Nebenrolle zu sehen ist.

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