Aktualisiert 23.02.2013 23:15

Diamantenraub

Kein Flughafenzaun ist unüberwindbar

Nach dem dreisten Diamantenraub muss sich der Flughafen Brüssel heftige Kritik gefallen lassen. Doch kein Airport dieser Welt verfügt über einen perfekten Sicherheitsperimeter – auch Zürich nicht.

von
kri

Nach dem spektakulären Diamantraub am Flughafen Brüssel liessen die Vorwürfe nicht lange auf sich warten. Wie konnte der Sicherheitszaun eines internationalen Flughafens derart einfach durchbrochen werden? Teilweise wurde gar Spott laut. Dabei ist Brüssel keineswegs ein Einzelfall. Auch anderswo auf der Welt kommt es regelmässig zu solchen Sicherheitspannen.

Im Juli 2012 gelangte eine 48-jährige Frau durch eine defekte Stelle des Sicherheitszauns auf das Gelände des Flughafens Taipei. Dort schnappte sie sich kurz nach Mitternacht ein Fahrzeug, fuhr aufs Vorfeld und legte sich im Cockpit einer geparkten Boeing 747 schlafen. Im Februar 2010 durchbrach eine 21-jährige Autofahrerin den Sicherheitszaun des Flughafens Klagenfurt. Sie gab an, an einer Kreuzung kurz eingeschlafen zu sein. Ein anschliessender Alkoholtest ergab 1,22 Promille.

Nicht einmal New York JFK ist sicher

Auch in den USA sieht es nicht besser aus. Der vermutlich spektakulärste Sicherheitsfail: Im August 2012 schwamm ein 31-jähriger New Yorker nach einer Panne mit seinem Jetski zum Flughafen JFK, kletterte über den Zaun und marschierte völlig unbehelligt über die Rollbahn bis in ein Terminal.

Im März 2012 durchbrach ein 24-jähriger Drogenabhängiger mit seinem Jeep den Sicherheitszaun des Flughafens Philadelphia und fuhr auf mehreren Pisten auf und ab, bevor er gestoppt wurde. Im November 2012 liess sich ein Angestellter des Flughafens Atlanta sein Mittagessen über den Zaun werfen. Doch das Bündel blieb hängen, worauf der Mann hinaufkletterte und es sich holte. Ein unbeteiligter Zuschauer filmte die Szene, die Flughafensicherheit hingegen merkte nichts.

Geländekontrolle nach 9/11 vernachlässigt

Für den ehemaligen Sicherheitschef des Hochsicherheits-Flughafens Ben Gurion in Tel Aviv liegt das Problem in einem Ungleichgewicht: Nach 9/11 sei viel in Passagier- und Gepäckkontrolle investiert worden, während die Sicherung des Flughafengeländes vernachlässigt wurde: «Die meisten Flughäfen verfügen noch immer über kein Warnsystem, das eine Durchbrechung des Sicherheitsperimeters entdeckt», sagte Rafi Ron im Juli 2011 vor einem Ausschuss im US-Kongress.

Auch die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) stellte 2006 anlässlich eines Reviews fest, dass zusätzliche und oft teure Sicherheitsmassnahmen die Anzahl Zwischenfälle nicht senken – nicht etwa weil sie unbrauchbar wären, sondern weil elementare Sicherheitsmassnahmen wie der Sicherheitszaun oder Zugangskontrollen vernachlässigt werden.

Zürich gilt als vergleichsweise sicherer Flughafen. Fahrzeuge der Kantonspolizei patrouillieren rund um die Uhr entlang des Sicherheitszauns, der zudem mit Videokameras überwacht wird. Ein Alarmsystem, das bei Durchbrechung des Zauns automatisch auslöst, gibt es allerdings nicht. Undurchlässig wäre es ebenfalls nicht: Der New Yorker Flughafen JFK liess für rund 100 Millionen Dollar eines installieren. Der Jetski-Fahrer blieb trotzdem unbemerkt.

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