Kein Gegner: Sepp Blatter vor der Wiederwahl
Aktualisiert

Kein Gegner: Sepp Blatter vor der Wiederwahl

Zum dritten Mal stellt sich Sepp Blatter (71) am Donnerstag beim 57. Kongress im Zürcher Hallenstadion zur Wahl als FIFA-Präsident. Erstmals wird die Prozedur für den Walliser ohne Sorgen über die Bühne gehen.

1998 in Paris hatte sich der damalige FIFA-Generalsekretär Blatter mit dem schwedischen UEFA-Präsidenten Lennart Johansson um das höchste Amt im Fussball-Business und die Nachfolge des Brasilianers Joao Havelange duelliert. Der Ausgang war knapp; Blatter profitierte im hitzigen Wahlkampf, den er mit riesigem Aufwand und Reisen in praktisch alle Mitgliedsländer geführt hatte, von der Unterstützung seines Vorgängers, der unbedingt einen Sieg der immer stärker werdenden UEFA verhindern wollte.

Noch turbulenter verlief die erste Wiederwahl vier Jahre darauf in Seoul. Die Schlammschlacht um Blatter und dessen Herausforderer Issa Hayatou aus Kamerun stellte gar den WM-Beginn nur Tage später in Japan und Südkorea in den Schatten, was den FIFA-Präsidenten in der Folge auch veranlasste, die Präsidentenwahl nicht mehr für ein WM-Jahr, sondern jeweils erst für das darauffolgende Jahr zu terminieren. Damit hatte Blatter, der dank der Unterstützung vor allem der vielen kleinen Verbände in Seoul haushoch obsiegt hatte, seine Amtszeit auch gleich um ein Jahr verlängert.

Machtkampf Blatter - Zen-Ruffinen

Die Wahlschlacht vor fünf Jahren war auch ein Machtkampf zweier Walliser. Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen hatte sich gegen jenen Mann gestellt, der ihm wenige Jahre zuvor zum lukrativen und prestigeträchtigen Job im FIFA-Hauptsitz verholfen hatte. Blatter gewann auch diese interne Schlacht und Zen-Ruffinen wurde nur Tage nach dem Kongress in Seoul entlassen.

Dieses Jahr, vor der zweiten Wiederwahl Blatters, herrschte im Vorfeld ungewohnte Ruhe. Gegenkandidaten gibt es keine und auch die mediale Kritik am FIFA-Boss hielt sich in engsten Grenzen. Für leichte Unruhe vor dem Kongress, der diese Woche zusammen mit der gestrigen Einweihung des neuen FIFA-Hauptsitzes zum insgesamt siebten Mal in Zürich stattfindet, sorgten einzig der schottische Vizepräsidentschafts-Kandidat John McBeth und die Anden-Staaten.

McBeth, der von den vier britischen Verbänden England, Schottland, Wales und Nordirland zu ihrem Vizepräsidenten in der FIFA-Exekutive bestimmt wurde, hatte sich in schottischen Zeitungen despektierlich und teilweise ehrverletztend über Blatter, verschiedene Exekutiv-Mitglieder und FIFA-Delegierte aus Afrika sowie der Karibik geäussert. Bis seine Aussagen durch die FIFA-Ethikkommission überprüft sind, wird McBeth nicht zum Vizepräsidenten gewählt. Der Schotte fehlt morgen und am Donnerstag denn auch am Kongress in Zürich.

Die Anden-Staaten Bolivien und Peru sowie Kolumbien wehren sich, weil sie sich diskriminiert fühlen, gegen das Verbot von Fussballspielen in extremen Höhenlagen, welches das Exekutivkomitee am Sonntag aus medizinischen Gründen erlassen hatte.

Gerüchte um Urs Linsi

Ansonsten dürfte der Kongress ohne Aufregung und in Minne über die Bühne des neuen Hallenstadions gehen. Die wieder kerngesunden Finanzen sorgen für ein stabiles Fundament, das auch durch die immer wieder neu gestellten Fragezeichen betreffend der nächsten WM- Endrunde in drei Jahren in Südafrika nicht erschüttert werden sollten. Für viel Unruhe im neuen FIFA-Haus sorgen hingegen die neusten Gerüchte über eine bevorstehende Absetzung von Generalsekretär Urs Linsi, wie sie in zwei der drei Zürcher Sonntagszeitungen verbreitet worden sind.

(si)

Fifa-Haus eingeweiht

Im Beisein von 1500 Gästen und Delegierten aus allen 208 Mitgliedsländern weihte die FIFA am Dienstag ihren neuen Hauptsitz beim Zürcher Zoo feierlich ein. Der 240 Millionen Franken teure Bau bietet Arbeitsplätze für 300 Angestellte.

Exakt 75 Jahre, nachdem der damals noch kleine Fussball-Weltverband an der Bahnhofstrasse erstmals ein kleines Büro bezogen hatte, kam es nun auf dem Zürichberg zur feierlichen Einweihung des architektonisch gelungenen neuen Prunkbaus der FIFA. Die bisherigen Räumlichkeiten auf dem Sonnenberg waren längst aus allen Nähten geplatzt.

Bundesrat Samuel Schmid überbrachte den Gästen im - wegen der garstigen Witterung - eilends errichteten riesigen Festzelt die Grüsse der Schweizer Regierung und zeigte sich stolz, den Hauptsitz der FIFA in der Schweiz zu haben. «Wir wollen euch allen ein freundliches und sicheres Gastgeberland sein», rief er den Delegierten aus allen fünf Kontinenten zu und übergab Präsident Sepp Blatter eine Schweizer Militär-Standarte.

Die FIFA will das von der Zürcher Architektin Tilla Theus konzipierte und auf 44 000 Quadratmetern stehende Gebäude als Administrations-, Ausbildungs-, Konferenz-, Logistik- und Sportzentrum nutzen. Neben Spielfeldern aus Kunstrasen oder Sand sowie einem Minifeld stehen ein Fitnesszentrum sowie Seminar- und Meditationsräume zur Verfügung. Fünf der insgesamt acht Geschosse befinden sich tief im Boden verankert, nur das grosse Auditorium geniesst zusammen mit der hellen Eingangshalle und den Büros Tageslicht. Die Parkplätze, Lager- und Konferenzräume wie auch der integrierte Meditationsraum mussten wegen der Bauvorschriften in den Boden versenkt werden.

Die Umhüllung des Gebäudes mit schräg verdrehten Netzen aus Aluminiumbahnen soll - dem Fussball gleich - auf allen Seiten für Bewegung und Dynamik sorgen. Das Gewicht des Glases für die Fensterfronten beträgt allein 500 Tonnen. Ein ökologisches und auch wirtschaftliches Energiekonzept setzt mit dem vollständigen Verzicht auf fossile Energieträger auch in Bezug auf die Umwelt Massstäbe.

Drei Jahre und 15 Tage waren gestern seit der Grundsteinlegung am 14. Mai 2004 vergangen. Unmittelbar nach der WM in Deutschland wurde das Gebäude vor einem Jahr in Betrieb genommen. Mit der feierlichen Enthüllung einer Gedenktafel durch Präsident Blatter, Bundesrat Schmid, Zürichs Stadtpräsident Elmar Ledergerber und dem chilenischen Verbandspräsidenten Harold Mayne-Nicholls als Vertreter aller 208 Mitgliederländer wurde das Home of FIFA nun auch offiziell seiner Bestimmung übergeben.

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