Angehörige der Opfer: Kein Geld, dafür eine «klare Entschuldigung»
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Angehörige der OpferKein Geld, dafür eine «klare Entschuldigung»

Vor dem Landgericht Stuttgart muss sich ab Donnerstag der Vater des Amokläufers von Winnenden wegen Verstosses gegen das Waffengesetz verantworten.

Dem Vater des Amokläufers Tim K. wird vorgeworfen, die Tatwaffe unverschlossen im Schlafzimmer aufbewahrt zu haben, mit der sein 17-jähriger Sohn am 11. März 2009 in der Albertville-Realschule in Winnenden und bei der anschliessenden Flucht in Wendlingen 15 Menschen tötete und 13 verletzte. Danach hatte sich Tim K. selbst erschossen.

Die Angehörigen der Opfer hofften zusätzlich auf eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung, um damit die Dimension des väterlichen Versagens zu unterstreichen, wie Jens Rabe, einer der Opferanwälte, dem Nachrichtenmagazin «Stern» laut Vorabbericht sagte. Das Gericht war bei Zulassung der Klage zu dem Schluss gekommen, dass kein hinreichender Tatverdacht auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung bestehe. Die Richter argumentierten, die Tat wäre auch geschehen, wenn Waffe und Munition weggeschlossen gewesen wären, da der 17-Jährige offenbar unbemerkt an die Zahlenkombination gekommen war.

Was war in der Familie los?

Die Hinterbliebenen der Opfer von Winnenden erwarten von dem Vater «eine klare Entschuldigung», sagte Rabe weiter. Es komme ihnen ausdrücklich nicht auf eine bestimmte Höhe der Strafe an, sie hegten keine Rachegefühle. «Sie erwarten jedoch ein klares Bekenntnis zu seinem Fehler» und Erkenntnisse, «was in dieser Familie los war». Es gebe eine Reihe von offenen Fragen, «zum Beispiel, in welchem psychischen Zustand sich der Amokschütze in den Monaten davor befand und ob der Vater davon wusste», sagte Rabe. Schmerzensgeld spiele für die Eltern der Todesopfer, die er vertritt, keine Rolle.

Das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden, das von betroffenen Eltern gegründet wurde, erklärte, in dem Verfahren komme es darauf an, dass in einem öffentlichen Verfahren der Staat Stellung beziehe zu dem, was er unter Verantwortung verstehe. Der Prozess, der für alle Angehörigen und Verletzten sehr belastend werde, sei «unverzichtbar», um mit dem leben zu können, was geschah.

Gerichtsangaben zufolge sind mittlerweile 41 Nebenkläger mit 19 Vertretern zugelassen. An den 27 angesetzten Verhandlungstagen sollen etwa 40 Zeugen gehört werden. Neben mindestens zehn Polizeibeamten sowie Medizinern, die nach dem Amoklauf im Einsatz waren, werden auch direkt Betroffene sowie deren Angehörige gehört. Zudem sind zahlreiche Sachverständige geladen, darunter zwei Psychiater und drei Rechtsmediziner.

(dapd)

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