10.10.2016 20:59

Hurrikan Matthew«Kein Geld fürs Amerikanische Rote Kreuz»

In Haiti sind nach Hurrikan Matthew über 350'000 Menschen auf Hilfe angewiesen. Dabei wird nicht mehr jedem Anbieter vertraut.

von
sep

Tausend Tote forderte der Wirbelsturm Matthew allein auf Haiti. Ganze Regionen sind noch von der Aussenwelt abgeschnitten, die Behörden können die Auswirkungen weiterhin nicht komplett abschätzen. Dabei hat sich das Land immer noch nicht von dem verheerenden Erdbeben 2010, das über 200'000 Menschen in der Republik das Leben kostete, erholt.

1 / 64
Die Ruhe nach dem Sturm: Ein Skateboarder in Flagler Beach schaut vor der beschädigten Florida State Road A1A Richtung Atlantik. (8. Oktober 2016)

Die Ruhe nach dem Sturm: Ein Skateboarder in Flagler Beach schaut vor der beschädigten Florida State Road A1A Richtung Atlantik. (8. Oktober 2016)

Keystone/Willie J. Allen jr.
Die 1945 eröffnete Strasse wurde durch den Hurrikan schwer beschädigt. (8. Oktober 2016)

Die 1945 eröffnete Strasse wurde durch den Hurrikan schwer beschädigt. (8. Oktober 2016)

Keystone/Willie J. Allan jr.
Trotz Verwüstungen: Der Hurrikan Matthew hat in den USA bisher weniger Schäden angerichtet als befürchtet. (8. Oktober 2016)

Trotz Verwüstungen: Der Hurrikan Matthew hat in den USA bisher weniger Schäden angerichtet als befürchtet. (8. Oktober 2016)

Keystone/Jeffrey Collins (AP)

Hurrikan Matthew: Der grösste Wirbelsturm der letzten zehn Jahre bringt in der Region Tod und Verwüstung.

Nach Angaben der Uno brauchen momentan mindestens 350'000 Menschen in Haiti Hilfe. Die US-Entwicklungshilfeagentur Usaid wollte über 480 Tonnen Hilfsgüter nach Haiti fliegen – darunter 40'000 Decken und 20'000 Hygiene-Sets. Kuba, Kolumbien und Venezuela schickten Material und Ärzteteams in das Katastrophengebiet.

Sechs Häuser statt 700

Der bitterarme Inselstaat braucht dringend Spendengelder. Doch vor allem über Social Media warnen immer mehr Menschen davor, dem Amerikanischen Roten Kreuz (ARC) zu spenden, wie das britische Medium Independent berichtet. So schreibt eine haitianische Frau auf Twitter: «Viele von euch werden mich fragen, wie man Haiti helfen kann. Meine erste Empfehlung: Spendet nicht dem Amerikanischen Roten Kreuz.» Sie rät zudem, haitianische Organisationen direkt zu unterstützen und davon abzusehen, lokal verfügbare Produkte zu schicken.

Nach 2010 ist das Vertrauen in das Hilfswerk angeschlagen. Es versprach damals, mit einer halben Milliarde Dollar 700 permanente Häuser in Haiti zu errichten. Doch das ARC wird beschuldigt, nur sechs davon gebaut zu haben. Die Non-Profit-Organisation ProPublica und die amerikanische Radiostation NPR werfen dem Hilfswerk vor, immer wieder Erfolge von Projekten vorgetäuscht zu haben. Ausserdem wurde das ARC aufgefordert, mehr Haitianer, vor allem in höheren Positionen, anzustellen.

55'000 Menschen seit Erdbeben in Notunterkünften

Das Amerikanische Rote Kreuz weist die Vorwürfe zurück. Es sei «enttäuscht von der unausgewogenen und inakkuraten Berichterstattung von ProPublica und NPR». Die beiden Organisationen sind mit ihrer Kritik nicht allein. Immer mehr wird auf eine angebliche Diskrepanz zwischen ausgegebenen Spendengeldern und erbrachter Hilfeleistung hingewiesen: Fast elf Milliarden Franken sollen dem Hilfswerk nach dem Erdbeben vor sechs Jahren zur Verfügung gestellt worden sein, doch die aktuelle Zahl von immer noch in Notunterkünften oder Zelten lebenden Haitianern wird auf 55'000 geschätzt.

Neun Monate nach dem verheerenden Erdbeben brach eine schwere Cholera-Epidemie aus. Bis heute konnte die Krankheit auf der Insel zwar stark verringert, aber nicht völlig ausgelöscht werden. Durch die starke Zerstörung und Knappheit von sauberem Wasser wird nun eine erneute Epidemie befürchtet.

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.