Reaktionen auf UBS-Zahlen: «Kein Gewinn, kein Bonus»
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Reaktionen auf UBS-Zahlen«Kein Gewinn, kein Bonus»

Auch nach der UBS-Bilanzkonferenz hält die harsche Kritik am Lohnsystem der UBS und insbesondere an den umstrittenen Boni-Zahlungen an. Parteien und Verbände verlangen Korrekturen, wobei auch der Bund in der Pflicht gesehen wird.

Dass die UBS trotz Rekordverlust an Boni-Zahlungen von 1,2 Milliarden Franken festhält, stösst bei allen grossen Parteien auf Unverständnis. Die SVP verlangt deshalb vom Bund, auf eine Beschränkung der Managerlöhne bei den Grossbanken auf das Niveau der Bundesbetriebe hinzuwirken. Ein erfolgs- und risikoabhängiges Salärsystem sei nicht mehr zu rechtfertigen. Die faktische Staatsgarantie für die Grossbanken mache ein Aufsichts- und Kontrollrecht durch den Staat unumgänglich.

Auch die SP fordert ein stärkeres Eingreifen des Bundes. «Statt nun haushälterisch mit den Steuergeldern umzugehen, herrscht weiterhin die Kultur der fetten Jahre», kritisierte Parteipräsident Christian Levrat. Auf Bonuszahlungen sei zu verzichten. Auch die Absicht der UBS, weiterhin Offshore-Geschäfte zu betreiben, stösst bei den Sozialdemokraten auf harsche Kritik: Offenbar habe die UBS keine Lehren aus der Vergangenheit gezogen.

Die Freisinnigen halten der UBS zu Gute, bei den Lohnkürzungen im internationalen Umfeld die drastischsten Massnahmen ergriffen zu haben. Für FDP-Vizepräsident Ruedi Noser ist aber klar: «Wenn kein Gewinn resultiert, darf auch kein Bonus ausbezahlt werden.» Für 2009 sei ein Gewinn bei der Bank ein «Must».

Auch bei der CVP finden über die vertraglichen Verpflichtungen hinausgehende Bonuszahlungen nach wie vor kaum Verständnis. Die negativen Reaktionen in der Bevölkerung seien begreiflich. Immerhin hätten die Topkader der Grossbank für 2008 auf Bonuszahlungen verzichtet, sagte CVP-Präsident Christophe Darbellay.

Die Grünen bezeichneten die Bonuszahlungen als Provokation. Statt Bonuszahlungen brauche es ein Lohnsystem, das Kaderlöhne vertraglich begrenze.

Risiko reduzieren und Fokussierung auf den Heimmarkt

Gemischte Aufnahme fand bei den Parteien die Ankündigung, dass die Nationalbank statt für 60 nur für 39,1 Mrd. Dollar faule und illiquide UBS-Papiere übernimmt. Es gehe nicht an, dass die UBS nun einen Grossteil der noch halbwegs brauchbaren Papiere behalte und nur die toxischen Anteile abtrete, hielt die SP fest.

Dass die Nationalbank weniger UBS-Hochrisikopapiere übernimmt, ändert für die SVP nichts: «Der Staat hat nach wie vor eine grosse Beteiligung», gab SVP-Sprecher Hauert zu bedenken.

Positiv werteten CVP und FDP die Ankündigung der UBS betreffend Auslagerung von Risiko-Papieren. Auch die Fokussierung auf den Schweizer Heimmarkt und die stärkere Ausrichtung auf das Vermögensverwaltungsgeschäft begrüsst die CVP. Die UBS stehe nun aber in der Pflicht, die angekündigten Stabilisierungsmassnahmen einzuleiten. Zudem sei bei den vertraglich verpflichteten, variablen Lohnanteilen ein Umdenken nötig.

Die Grünen schiessen auf die Finma

Die Grünen schliessen auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma in ihre Kritik ein und fordern den Rücktritt von deren Chef Eugen Haltiner. Zudem verlangen sie die Abtrennung des Investment-Bankings und eine vertragliche Verpflichtung für die UBS, kleinere und mittlere Unternehmen weiterhin zu stützen.

Kritik der Personalverbände

Die Personalverbände gehen mit der UBS hart ins Gericht. Die Anzahl der Stellen, die im Verlaufe des Jahres in der Schweiz abgebaut würden, sei mit rund 800 nun zwar etwas weniger gross als befürchtet, sagte Barbara Gisi, Leiterin Angestelltenpolitik beim Kaufmännische Verband (KV) Schweiz, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Gerade darum solle man aber Entlassungen vermeiden und kreative Lösungen anstreben, so Gisi weiter. Es brauche Diskussionen über Pensenreduktionen und Weiterbildungen. Der bestehende Sozialplan müsse in diesem Sinne modifiziert werden, fordert KV Schweiz in der Stellungnahme vom Dienstag.

Auch die Organisation der Bankanstellten, der SBPV, fordert, dass zuerst alle anderen Massnahmen geprüft werden, bevor Kündigungen ausgesprochen würden. Ein Abbau wirke sich so oder so auch negativ aus auf die Qualität des Bankservices, sagte die SBPV- Zentralsekretärin Denise Chervet gegenüber der SDA.

Von den Mitarbeitenden könne man auch nicht erwarten, dass sie die Verluste noch kräftiger mittragen. Seit Beginn der Finanzkrise würden die UBS-Angestellten durchschntitlich mehr als zehn Stunden täglich arbeiten.

Kritik muss die UBS auch von der Arbeitnehmer-Organisation Travail.Suisse einstecken. Vor allem die Boni-Zahlungen sind ihr ein Dorn im Auge. Der nicht vertraglich geschuldete Anteil sei «ein unhaltbarer Affront gegenüber dem Steuerzahler», schreibt Travail.Suisse in einer Reaktion am Dienstag. Der Dachverband fordert eine Rückkehr zu fairen Fixlöhnen.

(Quelle: AP/SDA)

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